Und dann kam der Mensch

Drinnen wird die Wunschwelt geplant, draußen läuft die Realität einfach weiter. KI-generiertes Symbolbild.Selbstverarschung 2.0

Ich weiß nicht, welcher einzelne Auslöser den Gedankenkreisel für diesen Beitrag hier dieses Mal angeschoben hat. Vermutlich war es wieder die übliche Mischung aus Politik, Werbung und Social Media. Was aber bleibt, ist mein Kopfschütteln und der Wunsch, die Stirn mit Wucht auf die Tischplatte zu befördern … :roll:

Warum?

Irgendwo wird gegendert, daneben die nächste bunte Haltungskampagne gestartet und drei Beiträge weiter erklärt jemand, wie die Zukunft gefälligst auszusehen hat, am besten möglichst alltagsuntauglich.

Bei mir blieb irgendwann eine ziemlich einfache Frage hängen:

Schaut eigentlich noch irgendwer auf das, was real passiert?

Ein Blick in die Natur reicht dafür eigentlich.

Die Raubkatze jagt ihre Beute, tötet sie und frisst sie. Nicht schön, passiert aber. Keine Betäubung, keine vorherige Abstimmung, keine Ethikkommission. Jagen, erwischen, beißen, Blut, Ende.

Beim Weißstorch kann es ebenfalls recht endgültig zugehen. Reicht das Futter nicht für alle, wird der schwächste Nachwuchs im Zweifel aussortiert und getötet. Problem erledigt, aus Sicht des Storches jedenfalls.

Jedes Lebewesen wird geboren, wächst, altert und stirbt. Dazwischen geht es um Nahrung, Schutz, Fortpflanzung und das eigene Überleben. Da gibt es kein fair oder unfair, kein „Ich möchte aber“ und auch keine Beschwerdestelle.

Die Realität kennt keine Moral. Sie ist einfach da.

Nur der Mensch kommt auf die Idee, sie so lange zu drehen und zu wenden, bis sie endlich zur eigenen Wunschvorstellung passt, und die, Freunde, die ist keine einheitliche Geschichte.

Gleichwertig ist nicht gleich

Natürlich soll eine zivilisierte Gesellschaft nicht wie ein Löwenrudel oder Storchennest funktionieren. Genau deshalb nennt sie sich schließlich zivilisiert. Der Mensch kann die Härte des Lebens abfedern, Medizin, Schutz, Hilfe, Rücksicht und gleiche Rechte gehören zu den Dingen, auf die er durchaus stolz sein darf.

Nur ist ihm irgendwo auf diesem Weg eine Sicherung herausgeflogen. Aus „Wir lassen niemanden einfach fallen“ wurde nach und nach „Unterschiede gibt es nicht“. Ungleiche Ergebnisse gelten plötzlich automatisch als ungerecht und wenn die Wirklichkeit nicht zur gewünschten Vorstellung passt, bekommt sie eben ein Gendersternchen verpasst. Im Zweifelsfalle wird eben einfach eine Demo gegen rechts ausgerufen, scheinbar das Universalmittel, wenn es mit der eigenen Kompatibilität zu den Tatsachen nicht so weit her ist.

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Knapp vorbei mit der Glaskugel

34 Grad um 15:21 Uhr in Fürth. Heiß war es definitiv, aber gemessen ist eben etwas anderes als vorhergesagt. ;-) Eigener Screenshot.Knapp vorbei, ich hatte nicht so ganz Unrecht

Gestern wusste das Radio ja schon am Morgen ziemlich genau, was der Tag bringen würde:

Bis zu 39 Grad, heißester Tag der Woche. Ich hatte bei „Wenn aus Prognose Wahrheit wird (vielleicht)“ vor allem mit einem kleinen Wort mein Problem: ist.

Am Nachmittag dann mein Screenshot: Samstag, 15. August 2026, 15:21:43 Uhr, Fürth im Odenwald, 34 Grad. Heiß? Aber hallo, gar keine Frage!

Aber 39 Grad? Zu diesem Zeitpunkt jedenfalls nicht.

Bevor jetzt jemand mit „bis zu“ um die Ecke kommt, genau darum ging es doch. Natürlich können irgendwo 39 Grad erreicht werden, vielleicht wurden sie später sogar noch irgendwo gemessen. Eine Vorhersage darf ziemlich genau sein und auch komplett ins Schwarze treffen.

Nur ist sie eben vorher noch keine Tatsache, mein „vielleicht“ war also gar nicht so verkehrt. :mrgreen:

34 Grad um 15:21 Uhr sind gemessen, alles andere war zu diesem Zeitpunkt weiterhin Vorhersage.

Knapp vorbei? Vielleicht. Ganz daneben lag ich jedenfalls nicht. Und 5 Grad mehr oder weniger sind nun auch nicht gerade ein Rundungsfehler … ;-)

 

 

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Bisschen Desasterkreis & Social Media?

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Wenn aus Prognose Wahrheit wird (vielleicht)

Wenn das Radio morgens schon weiß, wie heiß der Tag wird, fehlt eigentlich nur noch die Glaskugel. ;-) KI-generiertes Bild.Das Radio kennt das Wetter von heute Abend schon

Heute Morgen im Radio: „Bis zu 39 Grad. Es ist der heißeste Tag der Woche.“

Ähm. Es ist? Um kurz nach acht Uhr morgens?

Da bin ich offenbar technisch etwas hinterher. Mein Wetter kann nämlich noch nicht in die Zukunft schauen. Das Radio schon. ;-)

Natürlich kann heute der heißeste Tag der Woche werden. Die Vorhersage kann genau das erwarten, vielleicht sogar mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit. Trotzdem ist zwischen „wird voraussichtlich“ und „ist“ ein kleiner Unterschied, der nennt sich Realität.

 

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Bis heute Nacht können irgendwo 39 Grad erreicht werden. Vielleicht werden es 38, vielleicht 39, vielleicht sogar mehr, wahrscheinlich oft weniger. Irgendwo zieht früher etwas zu, irgendwo später, irgendwo trifft die Prognose genau ins Schwarze. Erst wenn der Tag vorbei ist, wissen wir, wie heiß er tatsächlich war.

Vorher wissen wir, wie heiß er werden könnte, eigentlich keine Raketenwissenschaft.

Aus vielleicht wird Tatsache

Genau über solche Unterschiede hatte ich mich bei „Augen auf beim Wetterkauf“ schon ausführlicher ausgelassen. Eine Prognose ist keine Messung aus der Zukunft. Ein Modell ist keine Zeitmaschine und ein einzelner heißer Tag ist zunächst einmal Wetter.

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Wenn ein Reel die empfindliche Stelle trifft

Social-Media-Kirmes mit KI 😁Was ein paar Bremslichter alles auslösen

Gestern ging es hier um das Bremsen bei Gegenverkehr auf der Landstraße. Das dazugehörige Reel läuft für meine Verhältnisse ziemlich gut und an den Kommentaren ist deutlich zu erkennen, dass das Thema einen Nerv trifft.

Der Großteil kennt dieses Verhalten und empfindet die Situation ähnlich wie ich. Bremslichter an, obwohl einfach nur ein Auto entgegenkommt, danach wieder etwas beschleunigen und beim nächsten Gegenverkehr dasselbe Spiel.

Spannender wird es dort, wo nicht mehr auf die Verkehrssituation reagiert wird, sondern offenbar auf das, was sie im Inneren auslöst.

 

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Wenn ein Video persönlich wird

Bei einigen wirkt es, als hätte ich nicht ein bestimmtes Fahrverhalten kritisiert, sondern sie persönlich. Vielleicht erkennen sie darin eine eigene Unsicherheit, vielleicht wollen sie grundsätzlich Verständnis zeigen oder einfach nur widersprechen. Plötzlich bekommt der unbekannte Fahrer jedenfalls eine komplette Geschichte verpasst.

Vielleicht hatte er einen schweren Unfall. Vielleicht traut er sich gerade erst wieder auf die Straße. Vielleicht ist er verängstigt, fühlt sich von mir bedrängt oder bremst bergab, um meinen Überholweg zu verkürzen (was sicherlich nicht ernstgemeint war :mrgreen: ).

Nichts davon ist im Video zu sehen, trotzdem wird Verständnis für ein möglicherweise gefährliches Verhalten gefordert, weil es ja irgendeinen unbekannten Grund dafür geben könnte.

Natürlich kann hinter Unsicherheit eine Geschichte stecken. Verständnis ändert aber keinen Bremsweg und macht ein unberechenbares Verhalten nicht ungefährlich. Wer bei jedem Gegenverkehr bremst, zwingt alle dahinter, darauf zu reagieren. Egal, warum er es tut.

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Was ich gefälligst zu wissen habe!

Was WIR denken, was DU zu wissen hast! (realisiert mit KI)Wenn Berichte seriöse Fakten schaffen

Es ist so, Du brauchst nicht selber denken!

Eigentlich wollte ich den MDR-Beitrag zum Drohnenvorfall in Leipzig/Halle nur noch einmal querlesen. Über den eigentlichen Vorfall habe ich mich schließlich schon in Glaube an Drohnen, Gefahr und Helden? ausgelassen.

Weit kam ich allerdings nicht, denn schon oben blieb ich hängen:

„Was wir über den Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle wissen“

Was wir wissen!

Bei solchen Überschriften funktioniert mein Kopf inzwischen etwas anders, als es vermutlich vorgesehen ist. Mein erster Gedanke lautet tatsächlich: Okay, was soll vertuscht werden? Klingt die Sache nicht danach, schaltet mein Filter direkt eine Stufe weiter: Okay, welcher neue Gehorsam wird von mir erwartet?

Das war es eigentlich schon. Mehr brauche ich inzwischen gar nicht, damit aus vermeintlicher Gewissheit bei mir erst einmal ein Fragezeichen wird.

Wissen ist schon ein ziemlich großes Wort

Natürlich kann das alles stimmen, was dort steht. Darum geht es mir nicht einmal. Mich stört dieser Anspruch, aus dem aktuellen Stand einer Berichterstattung gleich etwas zu machen, das „wir wissen“.

Auf der Seite finden sich Angaben aus Sicherheitskreisen, vertrauliche Behördenunterlagen, Aussagen von Politikern, Einschätzungen von Experten, Informationen von Verfassungsschutz, Polizei und Bundesanwaltschaft sowie Berichte anderer Medien. Völlig normal für einen Nachrichtenbeitrag, nur ist das für mich eben zunächst genau das: ein Nachrichtenbeitrag auf Grundlage dieser Quellen.

Was davon weiß der MDR selbst?

Was davon weiß der Zuschauer?

Wir wissen, dass jemand gesagt hat, dass etwas so gewesen sein soll. Wir wissen vielleicht auch, dass mehrere Stellen dieselbe Information weitergegeben haben. Ob wir damit automatisch wissen, was tatsächlich passiert ist, steht für mich auf einem ganz anderen Blatt.

Genau dieser kleine Unterschied scheint mir inzwischen gerne verloren zu gehen.

Wenn sich der Kreis selbst bestätigt

Besonders interessant wird es, wenn aus einer ursprünglichen Information plötzlich eine ganze Wand vermeintlicher Bestätigungen entsteht. Eine Behörde gibt etwas bekannt, mehrere Medien berichten darüber, Politiker reagieren auf diese Berichte und Experten erklären anschließend, wie das Geschehen einzuordnen ist.

Andere Medien berichten wiederum über die Aussagen der Politiker und Experten. Wer danach sucht, findet jede Menge Treffer und bekommt schnell den Eindruck, hier würden sich zahlreiche unabhängige Quellen gegenseitig bestätigen.

Wenn sie am Ende alle auf derselben ursprünglichen Information beruhen, sind zehn Meldungen aber noch lange keine zehn Beweise. Dann habe ich im Zweifel eine Information in zehn verschiedenen Verpackungen.

Öffentliche Medien können auf diese Weise wunderbar mit öffentlichen Stellen und anderen öffentlichen Medien einen hübschen Kreis bilden. Jeder verweist auf jeden, jeder bestätigt irgendetwas und irgendwann gilt das Ergebnis als gesichertes Wissen.

Das kann vollkommen richtig sein. Eine selbsterfüllende Faktenbestätigung macht mich trotzdem nicht automatisch vertrauensseliger.

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Glaube an Drohnen, Gefahr und Helden?

Fliegende Dinge aus der KI ;-)Wenn die Drohnen aufs Vertrauen treffen

Da liegt also eine Drohne am Flughafen Leipzig/Halle. Sprengstoff dran, Zünder dran, in der Nähe einer ukrainischen Antonow. Inzwischen ermittelt der Generalbundesanwalt wegen des Verdachts auf einen Anschlag.

Das klingt erst einmal ziemlich übel. Ist es vermutlich auch. Mein erster Gedanke war trotzdem ein anderer:

Huch, da passen jetzt aber schön viele Zufälle zusammen.

Eine Drohne, Sprengstoff, ukrainische Antonows, ein wichtiger NATO-Logistikstandort, zunächst angeblich Munition, Russland ziemlich schnell irgendwo mit im Raum und jede Menge Möglichkeiten, das Ganze im endlosen Kreis auszuargumentieren. Eine Geschichte, bei der jede Antwort gleich wieder die nächste Erklärung liefert.

Es darf nur niemand die falsche Frage stellen

Genau an diesem Punkt geht bei mir inzwischen automatisch der Bullshitfilter an. Nicht, weil ich dabei gewesen wäre und wüsste, was wirklich passiert ist. Genau das weiß ich nämlich nicht, die meisten anderen übrigens auch nicht.

Trotzdem entstehen aus Meldungen erstaunlich schnell Geschichten, aus Vermutungen werden Einordnungen und aus Einordnungen gefühlt Wahrheiten, an denen möglichst nicht mehr gerüttelt werden soll. Mein Problem dabei ist inzwischen ziemlich schlicht: Ich glaube euch erst einmal gar nichts mehr.

Dann kommt auch noch der Busfahrer

Nach der bisher bekannten Darstellung soll ein Busfahrer am Flughafen die niedrig fliegende Drohne mit einem Tritt aus der Luft geholt haben.

Wenn das wirklich genau so gelaufen ist, dann Respekt an den Busfahrer. Gleichzeitig muss ich das Bild trotzdem erst einmal im Kopf sortieren: Ein möglicherweise professionell vorbereiteter Anschlag auf einem bedeutenden Frachtflughafen und NATO-Logistikstandort endet vorerst durch den beherzten Fuß eines Busfahrers.

Das Leben schreibt manchmal ziemlich schräge Geschichten, diese hier gibt sich jedenfalls Mühe. Vor allem, weil es damit noch lange nicht vorbei ist.

Ein zweites Flugobjekt passt auch noch hinein

Eine DHL-Frachtmaschine kollidierte nach dem Durchstarten mit einem bislang unbekannten Flugobjekt und wurde leicht beschädigt. Ob es sich dabei tatsächlich um eine zweite Drohne handelte, ist bisher nicht geklärt, die Möglichkeit steht aber im Raum.

Damit haben wir inzwischen eine Sprengstoffdrohne, möglicherweise noch eine zweite Drohne, ukrainische Transportmaschinen, einen NATO-Logistikstandort und ein beschädigtes Frachtflugzeug. Alles einzeln möglich, alles zusammen inzwischen eine ziemlich stattliche Portion zufälliger Zufälligkeit.

Kaum war die Geschichte draußen, war die Antonow außerdem angeblich mit Munition beladen. Passt natürlich wunderbar ins Gesamtbild. Ukrainisches Flugzeug, Munition, Sprengstoffdrohne daneben, irgendwo noch Russland in den Raum stellen und schon läuft der Film.

Dumm nur, dass das mit der Munition inzwischen wieder einkassiert wurde. Die betreffenden Antonows waren zum Zeitpunkt des Vorfalls offenbar leer. Kann passieren? Natürlich. Genau solche Dinge sind allerdings der Grund, warum mein Vertrauen inzwischen irgendwo zwischen kaum vorhanden und vollständig aufgebraucht liegt.

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Jetzt ist teuer eben normal

Wenn beim Tanken nicht nur das Auto, sondern gleich auch die staatliche Kasse vollgemacht wird.Geplant, gepuffert, geschluckt

Eigentlich will ich hier gar nicht ständig politisch werden. Wenn man aber einen Blick auf die Dinge des Alltags wirft, kann man schlecht schweigen, während einem die eigene Existenz und Stück für Stück auch das eigene Heimatland unter dem Arsch weggezogen werden. Mit einem Grinsen im Gesicht und vollen Taschen bei denen, die dabei zuverlässig mitkassieren, versteht sich.

Bei mir beginnt dieser Alltag morgens im Auto. Auf dem Weg zur Arbeit fahre ich täglich an mehreren Tankstellen vorbei und kenne deren Preistafeln inzwischen vermutlich besser, als mir lieb sein kann.

Seit einiger Zeit fällt mir dabei etwas auf. Die Preise sind erstaunlich ruhig geworden. Nicht günstig, nicht erträglich, einfach stabil teuer. Mal geht es einen Cent hoch, mal einen runter, doch die Zwei vor dem Komma steht inzwischen da, als hätte sie schon immer dorthin gehört.

Bis ihr euch daran gewöhnt habt

Im Mai hatte ich unter „Die gnädige Entlastung“ darüber geschrieben, wie erst eine neue Schmerzgrenze geschaffen und anschließend ein kleiner Teil davon als große Hilfe verkauft wird.

Nach dem Ende der befristeten Energiesteuersenkung folgte „Die Gewöhnung hat funktioniert“. Der Rabatt war weg, der Preis wieder deutlich über zwei Euro und der große Aufschrei blieb trotzdem aus. Inzwischen wirkt das Ganze auf mich wie ein ziemlich einfacher Ablauf.

Erst wird der Preis auf ein Niveau gehoben, bei dem die Menschen verständlicherweise sauer werden. Dann kommt eine befristete Entlastung, gerade groß genug, um den größten Ärger abzufangen. Natürlich nicht zurück auf ein vernünftiges Niveau, sondern nur weit genug herunter, damit sich das neue Teuer plötzlich etwas weniger schlimm anfühlt.

Nach zwei Monaten fällt diese Entlastung wieder weg. Der Preis springt zurück, die Menschen schimpfen kurz und fahren am nächsten Morgen trotzdem zur Arbeit. Was sollen sie auch sonst tun?

Geplant, umgesetzt, das kalkulierte Risiko mit einem Rabatt auf Zeit gepuffert. Jetzt haben sie es zu akzeptieren.

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Nicht bekommen ist nicht weggenommen

Ein Auto mit Geldbörse auf dem Beifahrersitz, während gierige Augen und krallenartige Hände nach dem Geld spähen.Wenn weniger kassieren plötzlich etwas kostet

Da hat in einem Facebook-Kommentar doch tatsächlich jemand der Aussage einer Politikerin zugestimmt, die zeitweise Senkung der Energiesteuer habe den Staat Milliarden gekostet. Stopp.

Gekostet?

Der Staat senkte die Energiesteuer auf Benzin und Diesel vom 1. Mai bis 30. Juni 2026 um 14,04 Cent pro Liter. Weil dadurch ebenfalls weniger Umsatzsteuer anfiel, sollten an der Zapfsäule rund 17 Cent pro Liter ankommen.

Im Gesetzentwurf waren dafür Steuermindereinnahmen von 1,6 Milliarden Euro angesetzt. Steuermindereinnahmen, nicht Ausgaben!

Nicht kassiert ist nicht ausgegeben

Angenommen, ich möchte eine Gitarre für 1.000 Euro verkaufen und bekomme am Ende nur 900 Euro dafür. Dann habe ich 100 Euro weniger eingenommen als erhofft. Vielleicht passt meine Planung nicht mehr und vielleicht ärgert mich das sogar gewaltig, der Verkauf hat mich aber keine 100 Euro gekostet.

Ich habe dem Käufer schließlich keine 100 Euro aus meiner Tasche gegeben. Ich habe sie nur nicht bekommen.

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Differenzierung stört, oder?

Drei Lager im Dauerfeuer und die Wahrheit wie so oft mittendrin (das Beitragsbild wurde mit Künstlicher Intelligenz erstellt).Zwei Lager müssen offenbar reichen

Ich habe immer öfter den Eindruck, die Welt braucht nur noch zwei Schubladen.

Gut oder böse, richtig oder falsch, dafür oder dagegen. Eine Partei ist komplett großartig oder der Untergang des Landes, Zucker bringt euch um oder ist unverzichtbar, Alkohol ist grundsätzlich böse und jeder, der ihn trinkt, charakterlich verdorben.

Auf Karrierenetzwerken wartet natürlich hinter jeder Ecke der nächste Traumjob. Wer bleibt, tritt auf der Stelle, wer wechselt, entwickelt sich weiter. Der aktuelle Arbeitgeber behandelt euch ohnehin schlecht, zahlt zu wenig und erkennt euer wahres Potenzial nicht.

Vermieter, Arbeitgeber, Behörden und Stadtverwaltungen sind grundsätzlich faul, gierig, unfähig oder verlogen. Man muss sie austricksen, wo man kann. Etwas dazwischen gibt es natürlich nicht.

Das Zauberwort wäre Differenzierung, nur ist die offenbar nicht gewollt. Sie bremst die Empörung, stört beim Einrichten sauber getrennter Lager und zwingt dazu, den jeweiligen Fall tatsächlich anzusehen.

Das ist schlecht für Schlagzeilen, schlecht für Algorithmen und ganz schlecht für Menschen, die schon vor dem Lesen wissen möchten, wer diesmal der Gute und wer der Böse ist.

Die Wirklichkeit stört die Ordnung

Natürlich gibt es schlechte Arbeitgeber, gierige Vermieter, unfähige Sachbearbeiter und Politiker, deren Entscheidungen sich nur schwer mit gesundem Menschenverstand erklären lassen. Ein schlechter Vermieter ist trotzdem noch kein Beweis dafür, dass alle Vermieter Gauner sind, ein mieser Chef vertritt nicht sämtliche Arbeitgeber und ein Fehler im Amt bedeutet nicht automatisch, dass die komplette Verwaltung morgens nur deshalb öffnet, um Bürger zu ärgern.

Eine Partei kann bei einem Thema richtigliegen und beim nächsten gewaltig einen an der Waffel haben. Alkohol kann gesundheitlich schädlich sein, ohne dass jeder Mensch mit einem Bier in der Hand moralisch verwahrlost ist.

Zwei Dinge können gleichzeitig stimmen, aber für die heute übliche Lagerhaltung ist das natürlich viel zu kompliziert.

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Da war doch mal ein Feld

Feld, Straße und Bäume an der Strecke meiner Mittagsrunde im Mai oder Juni 2025.Der gleiche Ort, nur nicht mehr derselbe

Wenn ich in der Mittagspause meine Runde drehe, komme ich immer wieder an denselben Stellen vorbei. Meistens ändert sich dort nicht viel, zumindest nicht so, dass man es von einem Tag auf den anderen wirklich bemerkt, andernfalls landet es früher oder später eh hier im Blog.

Feld, Straße, Himmel, ein paar Bäume. Nichts, wofür irgendwo ein Reisebus hält, aber genau solche normalen Aussichten gehören irgendwann so fest zum Weg, dass man sie kaum noch bewusst wahrnimmt.

Das Foto oben ist irgendwann im Mai oder Juni 2025 entstanden, vermutlich habe ich an dem Tag Interesse an Bildern mit Feldern gehabt :mrgreen:

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