Wenn andere anders denken

Symbolbild für digitale Trotzanfälle, wenn in Social Media andere Meinungen auftauchen.Social Media und der kleine Weltbildschaden

Eigentlich sollte Social Media ja genau dafür ganz praktisch sein, viele Menschen treffen auf viele Gedanken und entsprechend auch auf viele Meinungen. Dass dabei nicht jeder dasselbe denkt, müsste ungefähr so überraschend sein wie Regen bei schlechtem Wetter.

In der Praxis reicht bei manchen allerdings schon die Entdeckung einer abweichenden Meinung und innerlich fliegt offenbar die komplette Erziehung auseinander, wenn es denn eine gab. Genau deshalb ist dieses kleine Reel entstanden. :mrgreen:

 

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Ein Beitrag geteilt von Michael F. (@sesselphilosoph)

Eine Meinung ist keine Bestellung

Was mich dabei immer wieder fasziniert, sind gar nicht die unterschiedlichen Ansichten. Die sind völlig normal und ohne sie wäre jede Diskussion ohnehin ziemlich sinnlos. Interessant wird es erst, wenn jemand einen Kommentar schreibt und offenbar davon ausgeht, dass darunter anschließend genau die Antworten erscheinen müssen, die zur eigenen Sicht der Dinge passen. Vor allem, dass der Autor eines Beitrages sofort unter Erliegen eines Unterwerfungsreflexes alles revidiert.

Passiert das nicht, wird aus einer anderen Meinung schnell Unwissen, Dummheit, Bosheit oder irgendeine politische Schublade. Hauptsache, der störende Gedanke muss nicht einfach als das stehenbleiben, was er ist, nämlich die Ansicht eines anderen Menschen.

Diskussion nur bei richtigem Ergebnis?

Natürlich steht in Kommentarspalten reichlich Unsinn. Beleidigungen, erfundene Tatsachen und Beiträge, bei denen drei Sekunden Nachdenken vermutlich schon als Überstunden durchgehen würden, gehören leider ebenfalls zum Internet. Mir geht es aber um etwas viel Banaleres: Zwei Menschen sehen denselben Vorgang, bewerten ihn unterschiedlich und kommen deshalb nicht zum gleichen Ergebnis.

Genau diese eigentlich völlig normale Möglichkeit scheint online zunehmend für Irritationen zu sorgen. Manche stellen eine Frage, wollen aber keine Antwort, sondern Bestätigung. Andere eröffnen eine Diskussion, erwarten darunter jedoch keine Diskussion, sondern Zustimmung in möglichst vielen Varianten. Kommt stattdessen Widerspruch, muss folglich mit dem Gegenüber etwas nicht stimmen.

Das eigene Weltbild ist kein Naturgesetz

Ich muss andere Meinungen nicht mögen, übernehmen oder beklatschen. Umgekehrt entsteht daraus aber auch niemandem die Pflicht, meine Sicht der Dinge gefälligst richtig zu finden. Wer öffentlich etwas ins Internet stellt, öffnet nun einmal die Tür für Reaktionen und die können zustimmend, ablehnend, freundlich, genervt oder gelegentlich auch ziemlich bescheuert ausfallen.

Das gehört zur Öffentlichkeit dazu und eine abweichende Meinung verursacht noch keinen Systemfehler. Vielleicht sieht der andere die Sache tatsächlich einfach anders, ohne dass deshalb sofort jemand erzogen, bekehrt oder persönlich zerlegt werden muss.

Aushalten wäre auch eine Möglichkeit

Genau daran scheint es allerdings manchmal zu scheitern. Wer im Internet nur Zustimmung verträgt, sucht eigentlich keine Diskussion, sondern ein Publikum, das im richtigen Moment nickt. Blöd nur, dass Social Media diesen Service nicht zuverlässig mitliefert.

Manchmal schreibt dort tatsächlich jemand etwas, das nicht ins eigene Weltbild passt. Wer damit schon nicht klarkommt, kann natürlich weiter wütend mit Armen und Beinen trommeln, die Decke über den Kopf ziehen geht schließlich auch.

Und wenn nix mehr hilft: Weiterscrollen! ;-)

 

 

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