Das Radio kennt das Wetter von heute Abend schon
Heute Morgen im Radio: „Bis zu 39 Grad. Es ist der heißeste Tag der Woche.“
Ähm. Es ist? Um kurz nach acht Uhr morgens?
Da bin ich offenbar technisch etwas hinterher. Mein Wetter kann nämlich noch nicht in die Zukunft schauen. Das Radio schon. ![]()
Natürlich kann heute der heißeste Tag der Woche werden. Die Vorhersage kann genau das erwarten, vielleicht sogar mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit. Trotzdem ist zwischen „wird voraussichtlich“ und „ist“ ein kleiner Unterschied, der nennt sich Realität.
Bis heute Nacht können irgendwo 39 Grad erreicht werden. Vielleicht werden es 38, vielleicht 39, vielleicht sogar mehr, wahrscheinlich oft weniger. Irgendwo zieht früher etwas zu, irgendwo später, irgendwo trifft die Prognose genau ins Schwarze. Erst wenn der Tag vorbei ist, wissen wir, wie heiß er tatsächlich war.
Vorher wissen wir, wie heiß er werden könnte, eigentlich keine Raketenwissenschaft.
Aus vielleicht wird Tatsache
Genau über solche Unterschiede hatte ich mich bei „Augen auf beim Wetterkauf“ schon ausführlicher ausgelassen. Eine Prognose ist keine Messung aus der Zukunft. Ein Modell ist keine Zeitmaschine und ein einzelner heißer Tag ist zunächst einmal Wetter.
Trotzdem geht es im Radio gleich munter weiter. Heißester Tag der Woche. Klimakrise. Menschengemacht. Jetzt spüren wir sie.
Damit keine Missverständnisse aufkommen, ich behaupte nicht, dass Menschen keinen Einfluss auf das Klima haben. Auch das hatte ich dort schon ziemlich ausführlich erklärt. Mich nervt etwas anderes.
Aus einer erwarteten Temperatur wird sprachlich erst eine bereits feststehende Tatsache und direkt danach landet diese noch gar nicht eingetretene Tatsache als Beleg in der nächsten Aussage. Das ist schon sportlich. ![]()
Vielleicht wird heute tatsächlich der heißeste Tag der Woche. Dann kann das Radio morgen genau das sagen. Heute Morgen ist es eine Prognose. Warum fällt es inzwischen eigentlich so schwer, dieses kleine Wort auch zu benutzen?
Danke fürs Arbeiten
Richtig interessant wurde es anschließend. Da ging viel Dank raus an alle, die am Wochenende arbeiten. Bei der Hitze, in der Nacht und überhaupt unter Bedingungen, bei denen andere lieber im Schatten sitzen.
Völlig okay, die Leute haben diesen Dank verdient!
Nur musste ich dabei zwangsläufig an „Krank? Dann zahl und arbeite“ denken. Da kommt von politischer Seite schließlich gerne eine etwas andere Botschaft. Zu viel Fehlzeit, zu wenig Leistung, wir müssen mehr arbeiten und wirtschaftlich wieder ordentlich ranklotzen.
Heute im Radio also sinngemäß: Danke an alle, die bei dieser Hitze arbeiten.
Aus Berlin eher: Da geht noch was.
Kannst’e Dir irgendwann auch nicht mehr ausdenken…
Besonders hübsch wird die Kombination, wenn vorher noch erklärt wurde, dass genau diese Hitze nun Zeichen der menschengemachten Klimakrise sei und ausgerechnet Deutschland weiterhin mit besonderem politischen Eifer daran arbeitet, das Klima mit Verboten, Vorgaben, Preisen und Abgaben in die gewünschte Richtung zu schieben. Natürlich immer für die gute Sache. Bezahlt und erarbeitet werden muss sie nur irgendwie auch und ob manche Dinge wirklich notwendig sind, das lassen wir hier mal gar nicht erst als Thema aufkommen.
Ein kleines Wort würde reichen
Vielleicht hängt mein Problem am Ende wirklich nur an Sprache. Nicht daran, dass Wetter vorhergesagt wird. Nicht daran, dass über Klimawandel gesprochen wird. Auch nicht daran, dass sich jemand bei Menschen bedankt, die am Wochenende arbeiten.
Mich stört diese zunehmende Gewissheit bei Dingen, die noch gar keine Gewissheit sein können. Nicht nur jetzt, nicht nur beim Wetter …
Heute könnte der heißeste Tag der Woche werden.
Perfekt. Wenn er es heute Nacht tatsächlich gewesen ist, haben wir eine Tatsache. Bis dahin bleibt ein „vielleicht“.
Das kleine Wort tut niemandem weh. Es macht die Aussage nur etwas weniger endgültig.
Vielleicht ist genau das inzwischen das Problem. ![]()