Gewissensgrauzone

Symbol BahnSituationen, Anstand und Respekt

Es gibt ja Momente im Alltag, da ist man zu jung, um alt zu sein. Vielleicht auch zu fit, um gebrechlich zu wirken. Unter Umständen lässt einen da auch die eigene Erziehung in einen inneren Konflikt geraten, der zum Handeln zwingt.

Die Situation

Ich bin, was eher selten vorkommt, mit der Bahn unterwegs und genieße die Gunst, einen Sitzplatz ergattert zu haben. Das Ding ist ansonsten wirklich proppevoll!

Mein Weg führt zum Arzt, aus verschiedenen Gründen fällt es mir schwer, längere Strecken zu laufen, auch Autofahren geht nicht wirklich vernünftig.

Um mich herum sitzen entweder deutlich betagtere Passagiere oder solche, die wahrscheinlich die 30 noch nicht erreicht haben. Mit meinem 50 Jährchen bilde ich vermutlich die goldene Mitte.

Bei einem Halt des Zuges steigt eine ältere Dame ein, die offenbar Probleme mit dem sicheren Laufen hat. Zunächst bemerke ich das gar nicht, aber nach einigen Sekunden Fahrt fällt mir anhand ihrer weißen Fingergelenke auf, dass sie sich nur mit großem Kraftaufwand, an einer Stange festhalten kann und auch sonst völlig überfordert wirkt.

Ich schaue im Kreis, niemand wird Anstalten machen, ihr den eigenen Platz anzubieten. Der eine Teil der Mitreisenden wäre selber nicht in der Lage, lange durchzuhalten und die anderen interessiert es schlicht nicht. Klar, ich könnte jetzt den großen Palaver anfangen, fühle mich aber im Moment nicht dafür zuständig, die versaute Erziehung Einzelner zu bemängeln. Nebenbei könnten ja auch die jüngeren gute Gründe haben, im Sitzen zu reisen.

Ich stecke in einer Grauzone meines Gewissens. Zwischen Respekt, Anstand und eigener Qual. Alleine weil ich der Meinung bin, weniger gebrechlich oder besser erzogen zu sein, wie der Rest rund herum.

Was mache ich also? Ich stehe auf und biete der Frau meinen Platz an, was sie auch dankend annimmt. Natürlich stehe ich nun hier, kann mich kaum gerade halten und erkläre mich selbst für bescheuert. Ich kann aber nicht anders. Verrückt, oder?

 

 

Das Ding mit der Planung

Erleuchtung SymbolDu hast früh einen Behördengang ohne festen Termin und startest dementsprechend zeitig in den Tag. Wer eher kommt, ist auch schneller fertig. Alle anderen haben dummerweise die gleiche Idee.

Du planst mit der Frau ein einfaches und schnelles Mittagessen, der Tag ist ungewöhnlich eng getaktet. Einfach Grillwurst in die Pfanne und in’s Brötchen, so passt es auch für den Rest der Familie, da ist heute ebenfalls ein unüblicher Rhythmus drin. Nur, du bekommst keine Grillwurst, es ist einfach keine da. In beiden Läden, die sich zeit- und wegtechnisch ideal anbieten.

Du willst eine Glühlampe mitbringen, weil im Bad anlässlich einer defekten solchen, nur noch Kuschelbeleuchtung herrscht. Wegen Würstchenfrust, vergisst du das Teil.

Wir haben aber eine neue Küchenwaage angeschafft, auf der sich bestimmte Teller und Gefäße besser positionieren lassen. Es scheppert in der Küche, jetzt kannst du noch wiegen, allerdings nichts mehr ablesen. Nie mehr …

Du hoffst, dass die frühestens für die kommende Woche erwartete Heizöllieferung terminlich keine Herausforderung wird, legst deswegen alles andere Planbare schon auf den morgigen Tag. Das Telefon klingelt 10 Minuten später, dein Öl könnte unerwartet schnell geliefert werden, gleich morgen.

Ich werde bei Angelegenheiten, an denen viel zu viele Menschen und Dinge beteiligt sind, auf die man gar keinen Einfluss hat, zukünftig auch nicht mehr von Planung sprechen. Nur noch von Erwartung und Möglichkeiten.

Ich habe mich gestern gar nicht mehr getraut hier laut zu jammern, wurde dann für heute geplant als Möglichkeit erwartet ;-)

 

 

Alltag, besser: Die Januar-Melancholie

AlltagNun, da ist er: Der 2. Januar 2020. Der erste, ganz normale Werktag im neuen Jahr.

Kein Feiertag, keine Vorbereitungen auf nahende Festlichkeiten, keine Jahresendstimmung. Die Weihnachtsdeko in den Straßen bekommt plötzlich einen etwas traurigen Charme, man sieht Christbäume an den Straßen liegen, die vor wenigen Tagen vielleicht noch Herzen und Seelen berührt haben. An den Bordsteinen liegen vereinzelt noch Reste der Silvesternacht. Neu ist in diesem Zusammenhang erscheint jedoch, daß diese Feuerwerksreste nach Willen einiger Meinungsdurchsetzer, in kommenden Jahren wohl seltener werden dürften. Sachlich völlig in Ordnung, in der eigentlichen Motivation untragbar. Lassen wir das, es passt jetzt nicht.

Ich mag diesen Zeitraum jedenfalls nicht besonders, für mich fühlt es sich immer so an, als wenn man eine Schutzzone verlassen muss. Wirklich eine Art von Januar-Melancholie, auch wenn mir völlig klar ist, daß dies Unsinn ist.

Klar, heute ist Donnerstag, so richtig auf Drehzahl kommt die Welt wohl wieder erst am Montag, wenn bei etlichen der Urlaub beendet ist und die Silvesterwunden verheilt sind. Was natürlich noch lange nicht für alle gilt. Alleine schon hier bei uns Zuhause, musste die halbe Familie an den Fest- und Feiertagen ihren Job erledigen, incl. Nachtschicht in der Silvesternacht.

Ich persönlich kann so allmählich ab heute schon das Rennen beginnen, viele Weichen sind zu stellen, Entscheidungen zu treffen. 2020 hat einiges an Ungewissheiten für mich offen, soviel weiß ich jetzt schon. Wer auch zukünftig hier gelegentlich mitliest, wird mit ziemlicher Sicherheit einiges davon mitbekommen, man wird sehen. Es gibt eben so ein paar persönliche Dinge, bei denen man sich schon gut überlegen sollte, ob man sie denn mit der Welt teilt.

Andersherum gibt es ab jetzt auch wieder Ereignisse, die einen freundlicher Stimmen können. Der Frühlingsanfang liegt näher, als der vergangene Herbstbeginn und vieles, was heute klar ist, war seinerseits vor einigen Wochen noch unbekannt oder beunruhigend. Wie immer, es liegt an der eigenen Einstellung, dem Erlebten und Erwarteten. Man kann es nun mal drehen wie man will aber die Zeit anhalten, diese Macht hat niemand.

OK, soweit meine Neujahrsansprache ;-)