Irgendwas mit „zu alt“
Geboren 1969, Führerschein seit 1988. Natürlich noch dieses wunderschöne rosa Stück Papier, das ungefähr so handlich ist wie eine Speisekarte und nach fast vier Jahrzehnten auch ein bisschen danach aussieht.
Eigentlich hätte ich mich davon schon früher verabschieden sollen. Für meinen Jahrgang war der 19. Januar 2024 Stichtag für den Pflichtumtausch. Ich war also, sagen wir mal, ein kleines bisschen spät dran. ![]()
Ein paar bürokratische Hürden gab es tatsächlich, wenn man aus NRW kommt, muss man ja erstmal wissen, wer hier in Hessen sowas macht. Den Rest hat meine durchaus vorhandene Begabung zur Prokrastination übernommen.
In diesem Sommer habe ich es dann endlich hinbekommen.
Weg ist der rosa Lappen trotzdem nicht. Ich durfte ihn entwertet behalten und genau da gehört er für mich auch hin. Zu den Relikten aus meinem bisherigen Leben.
An dem Ding hängen schließlich nicht nur fast vier Jahrzehnte Führerschein. Der hat bei mir auch ein Stück Geschichte mitgemacht, das stellenweise etwas dramatischer war als „mit 18 bestanden und seitdem Auto gefahren“. Vielleicht ist das irgendwann noch einmal einen eigenen Beitrag wert.
Offiziell ist er jedenfalls Geschichte, bei mir bleibt er trotzdem.
Woran merkt man eigentlich, dass es Zeit wird?
Nicht unbedingt daran, dass auf dem Foto ein Mensch zu sehen ist, bei dem man selbst kurz überlegen muss, ob man den kennt.
Viel deutlicher merkt man es daran, dass gefühlt niemand mehr mit diesem rosa Papierding umgehen kann.
In der Firma wird wegen der Firmenfahrzeuge regelmäßig der Führerschein kontrolliert. Autovermietungen wollen ihn sehen, irgendwelche Systeme möchten Daten erfassen und was weiß ich noch alles. Überall trifft ein Stück Papier aus den Achtzigern plötzlich auf eine Welt, die Karten, Scanner und digitales Zeug erwartet.
Irgendwann dachte ich mir also: Mach mal.
Kann ja nicht sein, dass mein Führerschein irgendwann nur noch deshalb als Museumsstück durchgeht, weil keiner mehr weiß, wo man ihn beim Kontrollieren hinhalten soll.
Ja, einen Grund gibt es schon
Ganz aus Spaß werden die alten Lappen natürlich nicht eingesammelt. Das Bundesministerium für Verkehr erklärt den Pflichtumtausch unter anderem mit einheitlichen und fälschungssichereren Führerscheinen innerhalb der EU.
Kann ich sogar nachvollziehen.
Die alten Papierführerscheine sind nun wirklich keine Hochsicherheitsdokumente und mein Foto von 1988 hilft heute wahrscheinlich auch nur noch Menschen weiter, die mich damals schon kannten. ![]()
Trotzdem hat so eine Pflichtaktion natürlich noch einen (un)angenehmen Nebeneffekt, kostenlos ist der Spaß nämlich nicht.
Für den Umtausch selbst werden Gebühren fällig, dazu kommt das neue Foto und je nach Verfahren noch weiterer Kleinkram. Bei mir waren am Ende inklusive Fotos rund 50 Euro weg.
50 Euro dafür, dass aus rosa Papier eine Plastikkarte wird
Natürlich steckt hinter dem Umtausch ein nachvollziehbarer Zweck. Trotzdem darf man bei solchen flächendeckenden Pflichtaktionen schon mal feststellen, dass dabei nebenbei auch ziemlich zuverlässig Geld durch diverse Kassen läuft.
Zumal die neue Karte als Dokument nach 15 Jahren wieder abläuft. Die Fahrerlaubnis bleibt bestehen, nur das Kärtchen möchte irgendwann erneuert werden.
Dann gibt es wieder ein aktuelles Foto, eine neue Karte und vermutlich auch eine neue Rechnung. Kann man machen, für rund 50 Euro hätte ich allerdings auch Pizza bekommen.
Mehrfach.