Wenn die Drohnen aufs Vertrauen treffen
Da liegt also eine Drohne am Flughafen Leipzig/Halle. Sprengstoff dran, Zünder dran, in der Nähe einer ukrainischen Antonow. Inzwischen ermittelt der Generalbundesanwalt wegen des Verdachts auf einen Anschlag.
Das klingt erst einmal ziemlich übel. Ist es vermutlich auch. Mein erster Gedanke war trotzdem ein anderer:
Huch, da passen jetzt aber schön viele Zufälle zusammen.
Eine Drohne, Sprengstoff, ukrainische Antonows, ein wichtiger NATO-Logistikstandort, zunächst angeblich Munition, Russland ziemlich schnell irgendwo mit im Raum und jede Menge Möglichkeiten, das Ganze im endlosen Kreis auszuargumentieren. Eine Geschichte, bei der jede Antwort gleich wieder die nächste Erklärung liefert.
Es darf nur niemand die falsche Frage stellen
Genau an diesem Punkt geht bei mir inzwischen automatisch der Bullshitfilter an. Nicht, weil ich dabei gewesen wäre und wüsste, was wirklich passiert ist. Genau das weiß ich nämlich nicht, die meisten anderen übrigens auch nicht.
Trotzdem entstehen aus Meldungen erstaunlich schnell Geschichten, aus Vermutungen werden Einordnungen und aus Einordnungen gefühlt Wahrheiten, an denen möglichst nicht mehr gerüttelt werden soll. Mein Problem dabei ist inzwischen ziemlich schlicht: Ich glaube euch erst einmal gar nichts mehr.
Dann kommt auch noch der Busfahrer
Nach der bisher bekannten Darstellung soll ein Busfahrer am Flughafen die niedrig fliegende Drohne mit einem Tritt aus der Luft geholt haben.
Wenn das wirklich genau so gelaufen ist, dann Respekt an den Busfahrer. Gleichzeitig muss ich das Bild trotzdem erst einmal im Kopf sortieren: Ein möglicherweise professionell vorbereiteter Anschlag auf einem bedeutenden Frachtflughafen und NATO-Logistikstandort endet vorerst durch den beherzten Fuß eines Busfahrers.
Das Leben schreibt manchmal ziemlich schräge Geschichten, diese hier gibt sich jedenfalls Mühe. Vor allem, weil es damit noch lange nicht vorbei ist.
Ein zweites Flugobjekt passt auch noch hinein
Eine DHL-Frachtmaschine kollidierte nach dem Durchstarten mit einem bislang unbekannten Flugobjekt und wurde leicht beschädigt. Ob es sich dabei tatsächlich um eine zweite Drohne handelte, ist bisher nicht geklärt, die Möglichkeit steht aber im Raum.
Damit haben wir inzwischen eine Sprengstoffdrohne, möglicherweise noch eine zweite Drohne, ukrainische Transportmaschinen, einen NATO-Logistikstandort und ein beschädigtes Frachtflugzeug. Alles einzeln möglich, alles zusammen inzwischen eine ziemlich stattliche Portion zufälliger Zufälligkeit.
Kaum war die Geschichte draußen, war die Antonow außerdem angeblich mit Munition beladen. Passt natürlich wunderbar ins Gesamtbild. Ukrainisches Flugzeug, Munition, Sprengstoffdrohne daneben, irgendwo noch Russland in den Raum stellen und schon läuft der Film.
Dumm nur, dass das mit der Munition inzwischen wieder einkassiert wurde. Die betreffenden Antonows waren zum Zeitpunkt des Vorfalls offenbar leer. Kann passieren? Natürlich. Genau solche Dinge sind allerdings der Grund, warum mein Vertrauen inzwischen irgendwo zwischen kaum vorhanden und vollständig aufgebraucht liegt.
Ziemlich praktisch, diese Zufälle
Was mich bei der ganzen Sache zusätzlich stutzig macht, ist weniger ein einzelnes Detail als das Gesamtpaket. Seit geraumer Zeit geht es um Waffenlieferungen, immer mehr Geld für Rüstung, Kriegstüchtigkeit, Reservisten, Wehrpflicht und generell um die Frage, wie weit Deutschland sich militärisch noch in diese ganze Geschichte hineinbewegen soll.
Gleichzeitig habe ich durchaus den Eindruck, dass dabei längst nicht mehr jeder einfach nur brav nickt. Immer mehr Leute stellen Fragen, zweifeln, widersprechen oder haben schlicht keine Lust mehr darauf, jede neue Eskalationsstufe automatisch für alternativlos zu halten.
Ausgerechnet in diese Stimmung fällt nun eine Geschichte, die beinahe alles auf einmal mitbringt: Sprengstoff auf deutschem Boden, ukrainische Frachtflugzeuge, NATO-Logistik, möglicherweise noch eine zweite Drohne und Russland als ziemlich schnell mitgedachte Erklärung.
Das beweist gar nichts, es passt nur verdammt praktisch. Vielleicht ist das alles tatsächlich reiner Zufall, dann ist es eben eine bemerkenswert passende zufällige Zufälligkeit. Genau solche Konstellationen sind es allerdings, bei denen ich inzwischen lieber einmal zu viel frage als einmal zu wenig.
Ich werde mit der nächsten Show verarscht
Vielleicht stimmt am Ende jedes entscheidende Detail dieser Geschichte. Vielleicht war es tatsächlich ein geplanter Anschlag. Vielleicht steckt Russland dahinter, vielleicht jemand völlig anderes. Vielleicht kommen irgendwann Erkenntnisse auf den Tisch, bei denen selbst ich sage: Okay, das Ding war genau so.
Allerdings: Bis dahin glaube ich erst einmal gar nichts!
Das ist keine Behauptung, dass alles gelogen sei. Das ist meine persönliche Konsequenz aus Jahren öffentlicher Berichterstattung, politischer Einordnung, moralischer Gebrauchsanweisung und der erstaunlichen Geschwindigkeit, mit der aus einem „wir wissen es noch nicht“ gerne ein ziemlich klarer Erzählstrang wird.
Ich rechne inzwischen schlicht damit, dass versucht wird, mich mit der nächsten großen Geschichte wieder in irgendeine gewünschte Richtung zu schieben.
Wer das anders sieht, darf das übrigens gerne. Wirklich. Glaubt die Geschichte von vorne bis hinten. Glaubt Politikern, Behörden, Nachrichtensendungen und jedem Experten, der gerade vor eine Kamera gestellt wird. Ich habe überhaupt kein Problem damit, lasst mich nur damit in Ruhe.
Denn spätestens wenn meine eigene Meinung plötzlich zum Problem wird, weil sie nicht mit der gewünschten übereinstimmt, sind wir an einem Punkt angekommen, der mir wesentlich mehr Sorgen macht als irgendein empörter Kommentar unter diesem Beitrag.
Experten wissen es schließlich
Und was Expertenmeinungen angeht: Den Begriff kann ich inzwischen kaum noch hören, ohne dass bei mir irgendwo eine Warnleuchte angeht.
„Experten“ haben uns schließlich auch zu Corona-Zeiten erklärt, was gerade richtig, falsch, gefährlich und alternativlos sei. Zeitweise entstand der Eindruck, die Menschheit stehe kurz vor der Selbstauflösung, wenn nicht sofort jeder eine Atemmaske trägt und exakt das tut, was gerade empfohlen oder vorgeschrieben wird.
Für mich war an dieser Pandemie, vor allem aber an dem Theater, den Prognosen und dem Umgang damit, schon damals mehr als genug fragwürdig.
Wer daraus gelernt hat, beim nächsten Experten einfach noch schneller zu nicken, darf das gerne tun. Ich habe etwas anderes daraus gelernt: Ein Titel vor dem Namen, ein Amt, ein Ministerium oder fünf Minuten Sendezeit machen eine Aussage für mich nicht automatisch wahr. Schon gar nicht machen sie daraus etwas, das ich gefälligst glauben muss.
Das eigentliche Problem habt ihr selbst geschaffen
Vielleicht sollten sich gerade die öffentlich-rechtlichen Medien irgendwann einmal fragen, warum ihnen ein Teil der Bevölkerung nicht mehr glaubt. Nicht mit der üblichen Antwort, dass die Leute zu dumm seien, auf Desinformation hereinfallen oder sich in irgendwelchen Blasen bewegen, vielleicht liegt es ja auch ein kleines bisschen an euch selbst.
Wer über Jahre nicht nur Nachrichten liefert, sondern dazu gerne noch Haltung, Einordnung und die gefühlt passende Gebrauchsanweisung fürs Denken, darf sich nicht wundern, wenn irgendwann selbst eine möglicherweise vollkommen wahre Meldung erst einmal gegen eine Wand aus Misstrauen läuft. Vertrauen kann ziemlich lange halten, ist es weg, kommt es nur verdammt schwer zurück.
Also noch einmal ganz einfach: Ihr könnt glauben, was ihr wollt. Ich kann akzeptieren, dass ihr die Sache völlig anders seht als ich, akzeptiert im Gegenzug, dass ich meine eigene Meinung habe.
Wenn ihr mich allerdings davon überzeugen wollt, dass schon diese eigene Meinung nicht in Ordnung ist, dann seid ihr nicht die Lösung. Dann seid ihr ein Teil des Problems.
Sollte ich mich irren, habe ich übrigens überhaupt kein Problem damit, das zuzugeben, aber dafür möchte ich dann schon Beweise sehen, richtige Beweise. Nicht die nächste Expertenrunde, nicht irgendeine „Einordnung“, nicht drei übereinstimmende Meldungen, die am Ende doch alle aus derselben Quelle abgeschrieben haben.
Vor allem keine Beweise von genau denen, bei denen mein Vertrauen inzwischen aufgebraucht ist. Wer jahrelang Vertrauen verspielt, kann nicht irgendwann mit einem neuen „Diesmal stimmt es aber wirklich!“ um die Ecke kommen und erwarten, dass ich wieder brav nicke.
Vielleicht erfahren wir irgendwann, was in Leipzig tatsächlich passiert ist. Bis dahin gilt für mich:
Glaubt es, wenn ihr wollt, aber kommt mir nicht mit „Tatsachen“ von genau denen, die diese Tatsachen überhaupt erst zur Wahrheit erklärt haben.