
Warum ich diesen modernen Welterrettungszirkus meide
Du scrollst durch die sozialen Plattformen, liest, stockst und der Kopf fängt an bis in den 6. Gang durchzuschalten.
Jetzt also Lichtverschmutzung
Es ist immer wieder faszinierend, mit welchem Eifer aus ganz normalen Dingen plötzlich ein Problem mit erhobenem Zeigefinger gemacht wird.
Diesmal also Licht. Nicht Lärm, nicht Dreck, nicht kaputte Straßen, nicht der übliche Wahnsinn, der einem jeden Tag ganz real vor die Füße fällt. Nein, Licht.
Licht aus, damit es dunkler wird, soll also nun ein Beitrag zur besseren Welt sein. Das ist schon deshalb bemerkenswert, weil man nachts in manchen Städten eher den Eindruck bekommt, dass zusätzliche Helligkeit inzwischen zur Grundausstattung des Überlebens gehört.
Und natürlich schwingt auch hier wieder das übliche Stromsparlied mit. Strom gilt gern als problematisch, solange man ihn irgendwo im Alltag verbraucht. Beim Staubsauger, bei der Lampe, bei der Kaffeemaschine. Sobald aber das E Auto ins Spiel kommt, ist derselbe Strom plötzlich die reinste Erlösung. Dann kommt er wohl aus einem ganz besonderen Kabel, garantiert sauber, völlig atomfrei importiert und mit gut gelaunten Elektronen auf dem Weg zur Steckdose.
Wording
Genau solche Geschichten sind es, wegen denen ich diese moderne Weltverbesserung samt der passenden Berichterstattung bestimmter ganz bestimmt neutraler Medien meide wie die Pest.
Nicht, weil ich jedes Thema automatisch blöd finde, sondern weil das Muster dahinter immer gleich aussieht. Man nimmt etwas, das erst mal banal wirkt, verpasst ihm ein schön negatives Wording und schon steht der nächste kleine Moralaltar in der Gegend herum. Niederknien, nicht hinterfragen, gehorchen …
Feinstaub, CO2, Klima hier, Verhalten da, nun also Lichtverschmutzung. Immer dieselbe Methode. Aus etwas Alltäglichem wird sprachlich etwas, das sofort nach Schuld, Gefahr und falschem Leben klingt. Das muss man erst mal hinkriegen. Aber okay, ja, die Erfinder werden dafür bezahlt. Bezahlt mit und aus Geldern, die alle bezahlen, die da vielleicht gar nicht löhnen würden, wenn sie für solche Dinge nicht eben schon ihre Euros gegeben hätten. Spannendes Konzept. 
Die Kekse verfolgen Dich
Der Artikel, über den ich gestolpert bin (mir scheinbar für die positiv-woke-Quote bei Facebook eingespült wurde), ist für mich deshalb auch eher symbolisch gewählt.
Nicht, weil ausgerechnet dieser eine Text nun alles Böse der Welt in sich trägt. Sondern weil er wunderbar für diese Sorte Stoff steht, die man einmal anklickt und danach verfolgt einen der Mist wie Imprägnierspray im Schuhgeschäft.
Du öffnest so etwas einmal, vielleicht aus Neugier, vielleicht aus Fassungslosigkeit, und schon glauben Cookies und Algorithmen, dass Du ab sofort nur noch genau dieses Zeug lesen willst.
Dann kommt die volle Ladung. Noch mehr Weltrettung. Noch mehr Betroffenheit. Noch mehr Haltungsgymnastik im neutralen Nachrichtenkostüm. Das führt bei mir zuverlässig zu erhöhtem Bedarf an Aspirin oder Alkohol, weil es anders irgendwann kaum noch auszuhalten ist.
Natürlich kann man es mit Beleuchtung auch übertreiben. Nicht jede Einfahrt muss nachts aussehen wie ein Flughafen. Nicht jede Hauswand braucht Flutlicht, als wolle man dem Mond noch Konkurrenz machen. Das ist aber gar nicht der Punkt.
Der Punkt ist diese ständige Umerziehung über Begriffe
Aus zu viel Licht wird nicht einfach übertriebene Beleuchtung. Nein, es muss gleich Verschmutzung sein. Ein Wort, das sofort schiebt. Ein Wort, das gleich klar macht, wo der Gute steht und wo der Böse. Ein Wort, das nicht nüchtern beschreiben, sondern moralisch wirken soll.
Links, rechts, vegan, Fleisch, Elektro, Verbrenner – baue Bubbles und verdiene an ihnen. Punkt.
Und genau da bin ich raus
Weil ich dieses ganze Spiel aus Schlagwort, Schuldgefühl und Dauerbelehrung schlicht nicht mehr ertrage.
Weil ich keine Lust habe, mir jeden normalen Alltagsrest ebenfalls noch als Problem verkaufen zu lassen, und weil man bei all dem längst nicht mehr das Gefühl hat, dass hier einfach vernünftig über Dinge gesprochen wird.
Es geht immer gleich ums richtige Denken, richtige Fühlen und richtige Mitlaufen. Oh, ja, und um „konsumiere, aber frage nicht!“
Wirklich schräg wird es ohnehin dort, wo es seit Jahren gar nicht hell genug sein kann. In manchen Städten laufen nachts so viele Lichtgestalten herum, dass man eher froh über jede Laterne sein sollte, die noch funktioniert. Aber klar, das eigentliche Problem ist dann die Helligkeit.
Nicht der Irrsinn auf der Straße.
Nicht die Zustände, die jeder sehen kann.
Die Lampe!
So ungefähr muss moderne Debatte Erziehung heute wohl laufen.
Wie immer, nur mein Senf 
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