Kanzler: Drei Ansagen, drei Jahre später

Drei Jahre später bleibt von großen Ansagen erstaunlich wenig. KI-generierte Illustration.Drei Ansagen, drei Jahre später

Das Internet hat ein erstaunlich gutes Gedächtnis, Politiker manchmal weniger.

Mir ist bei Instagram ein Beitrag mit einem BILD-Ausschnitt aus dem August 2023 untergekommen. Friedrich Merz wurde darin gefragt, welche drei Dinge eine CDU an der Regierung als Erstes anders machen würde, die Antworten waren ziemlich klar und vor allem angenehm frei von dem Kleingedruckten, das bei politischen Aussagen irgendwann gerne noch hinterhergereicht wird.

Da im Netz genug zusammengebastelter Mist herumfliegt, habe ich erst einmal geprüft, ob die Aussagen überhaupt stimmen, und genau das tun sie.

 

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Ein Beitrag geteilt von Dr. Dr. Rainer Zitelmann (@rainer.zitelmann)

Drei Dinge sollten es sein

Im Originalinterview vom 27. August 2023 nannte Merz drei Punkte. Die Steuer- und Abgabenbelastung auf Energie sollte sinken, ausdrücklich nannte er Stromsteuer, Netzentgelte und weitere staatliche Abgaben. Die stillgelegten Kernkraftwerke sollten sofort wieder ans Netz und zusätzlich sollte ein Bürokratiemoratorium kommen.

Beim letzten Punkt erklärte er sogar ziemlich genau, was er darunter versteht: „Kein einziges neues Gesetz darf zusätzliche Bürokratie auslösen.“

Das war 2023, inzwischen haben wir 2026, Friedrich Merz sitzt im Kanzleramt und CDU sowie CSU regieren zusammen mit der SPD. Drei Jahre sind eigentlich kein schlechter Abstand, um einmal nachzusehen, was aus solchen Ansagen wird, wenn aus Opposition Regierung geworden ist.

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Quelle? Beweis? Sonst noch was?

Der Erklärfinger ist schnell oben. Die Zuständigkeit dafür eher nicht. KI-generiertes SymbolbildEine Frage ist noch lange keine Antwortpflicht

In den Kommentaren der Socials lässt sich eine merkwürdige Form der Selbstbeförderung beobachten:

Jemand schreibt etwas, äußert seine Meinung oder schildert schlicht seine Sicht auf ein Thema und schon sitzt ein anderer gefühlt am Richtertisch. Quelle? Beweis? Begründe das mal! Als hätte allein die Tatsache, dass er Zweifel anmeldet, den anderen automatisch in irgendeine Beweispflicht versetzt.

Genau da frage ich mich immer öfter, woher eigentlich dieses Anspruchsdenken kommt. Natürlich darf jeder zweifeln, widersprechen oder eine Aussage für kompletten Unsinn halten. Daraus entsteht aber noch lange kein Anspruch darauf, dass ein wildfremder Mensch nun seine Gedanken, Erfahrungen oder Entscheidungen zur Prüfung vorlegt.

Fragen darf jeder

Wer etwas wissen möchte, kann fragen. Vielleicht bekommt er eine Antwort, vielleicht eine Erklärung, vielleicht sogar Quellen oder Hinweise, mit denen er weiterkommt. Das hängt allerdings auch ein bisschen davon ab, wie gefragt wird und ob der andere überhaupt Lust hat, sich darauf einzulassen oder ob es überhaupt auf fruchtbaren Boden fallen würde. Trollalarm! ;-)

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Scheiße, ich habe ja Diabetes!

Blutzuckermessgerät mit satirischer HbA1c-Steuer und errechnetem Euro-Betrag. KI-generierte Darstellung auf Basis eines eigenen Fotos.Steuerklasse HbA1c?

Diabetes = Zucker = Ich bin am Arsch!

So jedenfalls die Kurzfassung, wenn in Berlin irgendwann jemand bemerkt, dass bei mir seit Jahren steuerlich völlig ungenutztes Potenzial durch die Gegend läuft.

Eine Zuckersteuer soll kommen. Zucker kostet dann mehr, damit weniger Zucker konsumiert wird. Gesundheit für Leichtgläubige und so. Dass dabei nebenbei ein paar Millionen in die Kasse kommen, ist natürlich nur ein ausgesprochen praktischer Zufall.

Für mich stellt sich allerdings eine ganz andere Frage.

Ich habe Diabetes, umgangssprachlich also Zucker.

Muss ich mich jetzt selbst versteuern?

 

 

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Ein Beitrag geteilt von Michael F. (@sesselphilosoph)


Ich sehe den Brief schon vor mir:

„Sehr geehrter Herr F., unseren Unterlagen zufolge führen Sie dauerhaft Glukose mit sich. Bitte erklären Sie Menge und Verwendungszweck.“

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Lohnfortzahlung: Rekord mit Haken

Ein Wahlschein wird per „Statistischem Filter“ von der blauen in die rot-schwarze Urne gepustet. KI-generiertes Symbolbild.85,6 Milliarden für Krankheit. Rekord!

85 Prozent der Bundesbürger sind aktuell mit der Arbeit von Friedrich Merz als Bundeskanzler unzufrieden. Das ergibt das jüngste RTL/ntv-Trendbarometer von Forsa. Ich gehöre ziemlich eindeutig dazu.

Was die Entscheidungen von ihm und denen um ihn herum betrifft, sehe ich jedenfalls wenig, was gerade besonders überzeugend das Wohl des Bürgers mehrt. Kassen lassen sich dagegen erstaunlich zuverlässig füllen, Belastungen ebenso zuverlässig verteilen und bei den Begründungen scheint keine Zahl zu schade, solange sie groß genug klingt und irgendwie in die gewünschte Richtung zeigt.

Die gerade beschlossene GKV-Reform dürfte einigen das Mittagessen zusätzlich wieder hochbringen. Zuzahlungen sollen um 50 Prozent steigen, die Festzuschüsse beim Zahnersatz sinken, auch bei der Familienversicherung wird umgebaut. Wer genauer wissen möchte, was da geplant ist, kann das direkt beim Bundesgesundheitsministerium nachlesen.

Passend dazu und acht Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September schallt mir heute Morgen aus dem öffentlich-rechtlichen Radio diese Meldung entgegen: „Unternehmen zahlen Rekordsumme für Lohnfortzahlung im Krankheitsfall“

85,6 Milliarden Euro, historischer Höchststand, innerhalb von 15 Jahren mehr als verdoppelt. Na bitte. Da könnte beim Frühstück schon der Eindruck entstehen, halb Deutschland liege inzwischen mit Wärmflasche auf dem Sofa und lasse den Arbeitgeber zahlen. Nur erzählt diese Zahl etwas anderes.

Was steckt in den 85,6 Milliarden?

Die Zahl stammt nicht aus dem Kanzleramt, sondern aus einer Berechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft, kurz IW. Sie ist auch nicht einfach erfunden. 72,5 Milliarden Euro entfallen auf fortgezahlte Bruttoentgelte, weitere 13,1 Milliarden auf Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung. Letztere werden allerdings geschätzt, weil sie so nicht direkt statistisch ausgewiesen werden.

Daran ist zunächst nichts Verwerfliches. Es sollte nur im Hinterkopf bleiben, wenn ein Betrag mit einer Nachkommastelle wie das Ergebnis einer exakt ausgezählten Kasse präsentiert wird. Wie beweglich solche Werte sind, zeigt bereits das Vorjahr. 2025 bezifferte das IW die Kosten für 2024 noch auf rund 82 Milliarden Euro, in der aktuellen Berechnung sind es 81,2 Milliarden.

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Die Zahl wird schon stimmen

Wenn Zahlen groß genug an der Wand stehen, wird auch noch der größte Unsinn beklatscht. KI-generiertes Symbolbild.Vertraue den Zahlen, die stimmen immer!

Ich sehe es immer wieder, Menschen springen auf Zahlen an, vor allem dann, wenn ihnen zu einem Thema das Hintergrundwissen fehlt oder gar nicht erst die Frage aufkommt, wie diese Zahl eigentlich zustande gekommen ist. Sobald irgendwo Prozentwerte, Durchschnittswerte und am besten noch ein paar Stellen hinter dem Komma auftauchen, sieht selbst der größte Unsinn plötzlich ziemlich offiziell aus.

Ihr glaubt zum Beispiel nicht, dass Soldaten im Ersten Weltkrieg schon Handys hatten? Nun, die Zahlen beweisen etwas anderes! ;-)

Zeit für etwas Wissenschaft

Laut Internationaler Fernmeldeunion ITU gab es im Jahr 2025 weltweit 9,2 Milliarden Mobilfunkanschlüsse. Eine echte Zahl aus einer echten Statistik, damit können wir völlig seriös loslegen.

Von 1914 bis einschließlich 2025 sind es 112 Kalenderjahre, also teilen wir die 9,2 Milliarden Mobilfunkanschlüsse einfach durch 112 und kommen auf 82.142.857,1 Mobilfunkanschlüsse pro Jahr. Nicht ungefähr 82 Millionen, wir wollen schließlich wissenschaftlich arbeiten. 82.142.857,1 sieht auch deutlich besser aus, vor allem wegen der ,1.

Der Erste Weltkrieg berührte die fünf Kalenderjahre von 1914 bis 1918, entsprechend multiplizieren wir unseren ermittelten Jahreswert mit fünf und landen bei 410.714.285,7 Mobilfunkanschlüssen. Das erscheint nun selbst mir ein wenig viel, aber keine Sorge, ich bin ja kein unseriöser Statistiker, deshalb muss das Ergebnis natürlich noch fachgerecht bereinigt werden.

Nach Anwendung eines äußerst vorsichtig gewählten historisch-technischen Korrekturfaktors von lediglich 0,0009608626 Prozent bleiben exakt 3.946,4 Mobilfunkanschlüsse. Damit ist anhand realer Zahlen und mathematisch korrekter Berechnungen praktisch bewiesen, dass während des Ersten Weltkriegs bereits knapp 4.000 Handys existiert haben müssen.

Was genau die 0,4 Handys waren, müsste natürlich noch wissenschaftlich geklärt werden. Vermutlich würde die Bundesregierung dafür erst einmal eine Expertenrunde bilden, einige Millionen Euro freigeben und das Thema über mehrere Jahre untersuchen lassen, bis ein ausreichend dicker Abschlussbericht bestätigt, dass die 0,4 tatsächlich existiert haben müssen. Schließlich ergeben es die Zahlen, da kann die Realität nun wirklich nicht einfach widersprechen.

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Tim Curry: Ruhe in Frieden

Desasterkreis-Logo zum Abschied von Tim Curry.Abschied von Tim Curry

Tim Curry ist im Alter von 80 Jahren verstorben.

Zwei solcher Meldungen direkt hintereinander im Blog sind schon ein bisschen bedrückend.

Ja, okay, wir werden alle nicht jünger, aber mit jeder davon wird eben auch das Ende eines Stücks Zeitgeschichte markiert.

Andere haben vielleicht zuerst Pennywise aus „Es“ auf dem Schirm, für mich bleibt Tim Curry vor allem Dr. Frank-N-Furter aus „The Rocky Horror Picture Show“. Ein herrlich schräges Stück Filmgeschichte, in dem auch Meat Loaf als Eddie einen seiner unvergesslichen Auftritte hatte.

Vielleicht wartet der ja schon irgendwo über den Wolken.

Fast schon unheimlich ist die Parallele zu Dolly Parton. Beide wurden 1946 an einem 19. geboren, beide wurden 80 Jahre alt und beide starben am 25. August 2026.

Die Tagesschau berichtet über seinen Tod und seine Laufbahn.

Ruhe in Frieden, Tim Curry.

 

 

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Dolly Parton: Ruhe in Frieden

Desasterkreis-Logo zum Abschied von Dolly Parton.Abschied von Dolly Parton

Dolly Parton ist im Alter von 80 Jahren verstorben.

Niemand musste ein großer Countryfan sein, um diese Frau zu kennen. „Jolene“, „9 to 5“ oder das von ihr geschriebene „I Will Always Love You“, hinter all dem Glitzer steckte vor allem eine verdammt gute Songschreiberin.

Sie war bunt, schlagfertig und unverwechselbar, gefühlt einfach immer da.

Die Tagesschau berichtet über ihren Tod und ihre Laufbahn.

Ruhe in Frieden, Dolly Parton.

 

 

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Kennst Du noch *plonk*?

Wenn die Kommentarschlacht nur noch im Kreis läuft, macht es irgendwann plonk. KI-generiertes Symbolbild.Weg in 3, 2, 1 … *plonk*

Ich veröffentliche hier im Blog etwas, teile einen Beitrag bei Facebook, Instagram oder sonstwo und natürlich kommen Reaktionen. Genau so soll es ja auch sein, sonst könnte ich den ganzen Kram gleich auf meiner Festplatte liegen lassen.

Manche stimmen zu, manche sehen es völlig anders, andere bringen einen neuen Gedanken rein oder erklären mir ziemlich deutlich, warum sie meinen, dass ich Blödsinn geschrieben habe, kann ja durchaus mal sein ;-)

Alles gut, genau dafür gibt es schließlich Kommentare.

Leider leben wir aber auch in einer Zeit, in der es manchen gar nicht mehr um die Sache geht. Fakten werden ignoriert, Aussagen passend verdreht und wenn das alles nicht reicht, wird eben gepöbelt. Reagiere ich irgendwann nicht mehr, kommt gerne noch einer hinterher, manchmal auch zwei, bis schließlich der vermeintliche Sieg verkündet wird.

Keine Antwort mehr? Ha! Gewonnen!

Nein, Freund oder Freundin, Du hast nicht gewonnen. Du bist für mich irgendwann einfach zu unbedeutend, als dass ich weiter Lebenszeit in Dich investiere.

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Schon geil oder schön hässlich?

Puristisch, eigenwillig und irgendwie geil: eine umgebaute BMW.Wenn sich der Kopf nicht entscheiden kann

Beim Einkaufen ist mir diese BMW vor die Linse gekommen und natürlich musste ich ein Foto machen.

Ich selbst besitze leider keinen Führerschein für die Dinger.

Damals war’s nicht drin, heute juckt es mich durchaus in den Fingern, aber mit 57 noch mal Fahrschule? Weiß nicht … :mrgreen:

Jedenfalls liefen beim Anblick sofort zwei völlig gegensätzliche Gedanken gleichzeitig durch meinen Kopf.

Der eine:

„Schon geil, so puristisch.“

Parallel dazu:

„Schön hässlich, sieht aus, als hätte sie 1940 jemand bei der Wehrmacht vergessen.“

Welcher davon nun stimmt? Keine Ahnung. Je länger ich drauf schaue, desto öfter kippt der Eindruck von einer Seite auf die andere und wieder zurück.

Vielleicht macht genau das den Reiz aus. Ob ich sie tatsächlich fahren (wollen) würde? Da bin ich unsicher und beim Blick auf den Sattel sagt mein Steißbein ohnehin: „Nein, willst Du nicht, ganz sicher nicht!“

Aber ohne den passenden Führerschein bleibt die Frage vorerst ohnehin reine Theorie. ;-)

 

 

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Wie Vertrauen verspielt wird

Zwischen Gestern und Zukunft sitzt heute offenbar die KI am Steuer. ;-) KI-generiertes Bild.Früher war vieles besser, aber eben nicht alles

„Früher war alles besser, da war alles aus Holz.“

So oder ähnlich kennt ihr den Spruch bestimmt. Natürlich Quatsch, aber eben nicht komplett Unsinn. Differenzieren, Baby, differenzieren. ;-)

Das Problem steckt eigentlich nur in einem einzigen Wort: alles.

Früher war vieles unbequemer, langsamer und technisch schlicht schlechter. Autos rosteten schneller, Fernseher hatten drei Programme und Telefonieren kostete Geld. Wobei letzteres heute auch nicht wirklich kostenlos ist, es steht nur nicht mehr bei jedem Gespräch einzeln auf der Rechnung.

Beim Fernsehen haben wir dagegen gewaltige Fortschritte gemacht. Früher gab es drei Programme, heute Hunderte. Damit ist endlich auch genug Platz, um noch viel mehr Scheiße zu senden. :mrgreen:

Smartphone, Navigation, Internet und moderne Technik dürfen ebenfalls sehr gerne bleiben. Ich brauche keine Straßenkarte auf dem Schoß, keine Telefonzelle und auch keinen Überweisungsträger zurück. Der Punkt ist nur: Ich könnte damit umgehen. Das Alltagsleben hat damit funktioniert und würde es auch heute noch, wenn man es denn ließe.

 

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Ein Beitrag geteilt von Michael F. (@sesselphilosoph)

 

Daraus folgt eben noch lange nicht, dass neu automatisch besser bedeutet.

 

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