Denn sie wissen nie, wann es genug ist
Ich drücke auf einen Knopf, schalte irgendwas ein und sofort geht es los.
Kauf das.
Denk das.
Glaub das.
Funktioniere gefälligst sauber in der Spur.
Um mich geht es dabei nicht. Schon lange nicht mehr. Mein Alltag ist egal, meine Nerven sind egal, mein Konto ist egal. Wenn mich irgendein Irrsinn innerhalb von einem Tag wirtschaftlich an die Wand fährt, dann ist das eben so. Auf Einzelschicksale kann leider keine Rücksicht genommen werden. Möchten Sie zur Überbrückung noch eine Finanzierung?
Das gleiche Spiel läuft doch überall. Ich gehe jahrzehntelang arbeiten, zahle Steuern mit Geld, das vorher schon an anderen Stellen angefasst wurde, dann kommen Abgaben drauf, Gebühren drauf, Preisaufschläge drauf, irgendwas kommt immer noch oben drauf. Am Ende stellt sich irgendein Hansel hin und verkauft mir das als notwendig, gerecht und alternativlos.
All das heißt übersetzt doch nur:
Halt den Mund. Mach mit. Frag bloß nicht zu viel.
Genau da war bei mir der Punkt schon lange überschritten.
Vier Monate ohne den ganzen Krach
2013 bin ich von Duisburg nach Fürth gezogen.
Heute weiß ich, was für ein Glück das damals war. Rund vier Monate lang hatte ich nur Filme auf der Festplatte. Kein Free TV, kein Werbegebrüll, kein Ansagegequake, kein hektisches Gezappel, das einem schon beim Einschalten auf die Nerven fällt.
Die technischen Möglichkeiten kamen später wieder.
Das Free TV nicht.
Aus gutem Grund
Man muss diesem ganzen Lärm wohl erst einmal entkommen, um zu merken, wie kaputt das alles längst ist. Solange man mittendrin steckt, hält man vieles für normal. Werbung hier, Haltung da, noch ein erhobener Zeigefinger, noch ein moralischer Hustenanfall aus dem Off, noch ein völlig überdrehter Versuch, mir das Denken, Fühlen und Konsumieren gleich mit abzunehmen.
Bis ich merke, dass es nie nur um Unterhaltung geht.
Es geht darum, dass immer irgendeiner in meinen Kopf will.
Denn sie wissen nie, wann es genug ist.
YouTube reicht es nie
YouTube war früher für mich mal ein Ort, an dem ich Stunden versenken konnte, ohne mir vorzukommen wie in einer digitalen Fußgängerzone voller Drückerkolonnen.
Heute ist das Ding mit Werbung, Einblendungen, Bettelei und Gängelung so zugekleistert, dass ich stellenweise schon suchen muss, wo zwischen all dem Müll eigentlich noch das Video steckt.
Es reicht nicht, dass ich da bin.
Es reicht nicht, dass ich schaue.
Es reicht nicht, dass ich klicke.
Ich soll gefälligst auch noch so schauen, wie die Plattform das gern hätte. Werbung schlucken, die richtigen Grenzen akzeptieren, die richtige Moral nicht in Frage stellen und am besten noch zahlen, damit ich etwas weniger genervt werde als ohne Geld.
Das muss man auch erst mal bringen.
Erst wird der Laden vollgeräumt wie ein Grabbeltisch am Wühltag, danach soll ich bitte Verständnis dafür haben. Wenn ich mich wehre, bin natürlich nicht ich derjenige, dem es zu blöd geworden ist. Nein, dann bin ich das Problem.
Denn sie wissen nie, wann es genug ist.
Radio mit Haltung im Beipack
Beim Radio, vor allem beim öffentlich rechtlichen Rundfunk, ist es keinen Deut besser.
Da läuft schon lange nicht mehr einfach ein Programm. Da läuft immer gleich etwas mit. Unterton, Einordnung, Richtung, Haltung, alles hübsch im Beipack. Natürlich ungefragt.
Ich will Musik hören oder Informationen.
Ich brauche keine Dauerbegleitung, die so tut, als säßen da draußen nur Menschen, die dringend an die Hand genommen werden müssen, weil sie sonst womöglich auf eigene Gedanken kommen.
Ich bin nicht völlig verblödet. Ich muss mir nicht jeden neuen Spruch, jede neue Mode und jede neue politische Duftmarke als Fortschritt verkaufen lassen. Ich habe auch keine Lust, mich an irgendeine woke Gesinnung anzuschließen, die mit großem Theater aufgeblasen wurde und gerade an allen Ecken zeigt, wie wenig tragfähig sie auf Dauer ist.
Denn sie wissen nie, wann es genug ist.
Zeitungen, die sich selbst abschaffen
Die Webseiten der großen, ehemals namhaften Zeitungen machen denselben Fehler, nur noch peinlicher.
Kein Clickbait ist billig genug. Keine Verdrehung zu schäbig, keine Schlagseite zu offensichtlich, solange am Ende das politisch gewünschte Bild irgendwie stehen bleibt. Danach wird gejammert, dass die Auflagen sinken, das Vertrauen wegbricht und die Leser abspringen.
Ja warum denn nur?
Vielleicht, weil man Leute nicht endlos für doof verkaufen kann. Vielleicht, weil ich keine Lust habe, mir zwischen Panik, Framing und Gesinnungskulisse die Reste von Information zusammenzukratzen. Vielleicht auch, weil ein Modell, das sich immer weiter von den Leuten entfernt und ihnen gleichzeitig erklärt, sie müssten noch dankbar dafür sein, am Ende eben genau da landet, wo es hingehört.
Im freien Fall.
Denn sie wissen nie, wann es genug ist.
Sogar der Einkauf soll mich erziehen
Selbst beim Einkaufen wird mir dieser Kram inzwischen zwischen Käse, Shampoo und Tiefkühlpizza reingedrückt.
Da geht es nicht mehr einfach nur um Ware, Preis und die Frage, ob ich das Zeug überhaupt haben will. Irgendwo will immer jemand mitdenken, mitformen, mitmoralisieren.
Ich bestimme selbst, ob ich vegan leben will.
Will ich nicht.
Ich bestimme auch selbst, was ich in Werbung glaubwürdig finde und was aussieht wie zusammengegossene Gleichmacherei mit moralischem Beipackzettel. Ich brauche keine Agentur, keine Minderheit und keinen Haltungskatalog, der mir erklärt, wie ich zu fühlen, zu kaufen und zu leben habe.
Mein Einkaufswagen ist kein Umerziehungsprojekt.
Denn sie wissen nie, wann es genug ist.
Dann eben ohne mich
Die Folge daraus ist bei mir längst klar und auf vieles verzichte ich komplett. Den Rest minimiere ich. Ich suche Alternativen, kappe Gewohnheiten, ignoriere den Kram oder schmeiße ihn gleich ganz aus meinem Alltag.
An mir wird da schon lange weniger verdient.
Morgen noch weniger als heute.
Heute schon weniger als gestern.
Nicht aus Trotz. Einfach, weil irgendwann der Punkt erreicht ist, an dem ich keine Lust mehr habe, mich von jedem zweiten Kanal, jeder dritten Plattform und jedem vierten Produkt wie ein unmündiger Trottel behandeln zu lassen.
Es reicht eben nicht erst seit gestern.
Es reicht schon lange.
Erst recht bei gewissen Parteien …
Übersicht im Blog verloren? Hier bist Du!
Bisschen Desasterkreis & Social Media?













