Durch die Blogbeiträge und auch Gespräche mit realen Menschen habe ich halt so meine ganz persönlichen Eindrücke sammeln können, die einem einfach die Medien nicht vermitteln können oder wollen.
Grundsätzlich halte ich aber einfach ein derart gestaltetes Ticket für sinnvoll, weil es einfach simpel gestrickt ist. Passt dann noch der Preis, ist eine wirklich vorhandene Lücke gefüllt.
Nicht, dass ich es jetzt unbedingt und ständig nutzen müsste. Wenn es aber eine interessante Nachfolge gibt, würde ich mich durchaus auf Wege begeben, die ich so einfach aus Kostengründen wahrscheinlich nicht beschreiten würde.
Es nervt
Was mir dabei aber regelrecht auf den Sack geht im Augenblick ist der Umstand, dass sehr viele Medien plötzlich eine Nachfolgelösung erspäht haben wollen.
Freunde der Schlagzeilen: Das ist Bullshit!
Was macht denn das 9-Euro-Ticket im Kern aus?
Es ist bezahlbar
Ich komme durch das ganze Land
Kein Abo-Zwang
Ich kann einfach in ein geeignetes Fahrzeug steigen, ohne mir Gedanken machen zu müssen, ob nicht doch eine „feindliche“ Wabe des Schwarzfahrens dazwischen liegt
Macht man jetzt aber nur den Webbrowser auf, vermelden unzählige Newsseiten (oder solche, die meinen, so etwas darstellen zu können) gleich die vermeintliche Nachfolge gefunden zu haben. Kaum liest man aber die ersten drei Zeilen des Artikels, kommt das Bedürfnis auf, das Schließen-X des Fensters zu nutzen.
Um nur mal ein Beispiel zu nennen:
Kein Schwanz in Hamburg interessiert sich für das neue Tarifsystem in Heidelberg, wenn man als Student schon das Ticket XY besitzt und umgekehrt.
Man, das ist keine Nachfolge, das ist einfach eines von unzähligen Tarif- oder Abosystemen!
Von immer schon in irgendeiner Form vorhandenen lokalen Lösungen, die an der nächsten Stadtgrenze völlig belanglos sind, will niemand etwas wissen. Wahrscheinlich ist das alles für die Leute spannend, die in der jeweiligen Region leben, nur mit dem 9-Euro-Ticket, da hat das schlicht nichts zu tun.
Wie ich gestern ja schon erwähnt habe, gibt es zahlreiche Stellen in der alten Heimat, die einfach irgendeine persönliche Bedeutung haben.
Obendrein bin ich in Voerde aufgewachsen bzw. habe dort den wohl prägenden Teil meiner Kindheit und Jugend verbracht. Diese Phase des Lebens hinterlässt im Kopf wohl doch sehr prägende Erinnerungen.
Mitte 1991 hat es uns, also mich und meine Frau, dann nach Duisburg-Walsum verschlagen, wo wir bis zum Umzug nach Fürth im Jahr 2013 eben auch geblieben sind.
Bei unserem kleinen Trip vor einigen Tagen haben wir aber in Voerde familiär Quartier bezogen und waren viel zu Fuß unterwegs. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich mich eigentlich schon seit rund 30 Jahren gar nicht mehr bewusst in Voerde umgesehen habe.
Die Dampflok
Zu meiner Schulzeit jedenfalls stand vor dem Schulzentrum Voerde-Süd eine Dampflok. So eine richtig echte, große Dampflok als Denkmal.
Dieses stillstehende Gefährt hat zu dieser Zeit schon eine gewisse Bedeutung gehabt. Hat man sich verabredet, dann „an der Lok“, Wegbeschreibungen mit „Links hinter der Lok“, all sowas eben. Obendrein mach so eine große 42er-Dampflok mit Tender schon etwas her, jedenfalls dann, wenn man auf solche Schätze der Technik steht.
Da allerdings der Lok schon Anfang der 90er ein ziemlicher Verfall anzusehen war, kam sie damals weg, wurde einfach abgebaut. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich an dem Tag mit einem Kumpel in einem Biergarten gesessen und darauf gewartet, dass sie zum Abschied auf dem Schwertransporter noch einmal an mir vorbeifährt.
Wie gesagt, das ist schon 1989/90 passiert!
Wann aber wird mir das so richtig bewusst?
Genau! Im August 2022 bei einem Besuch in Voerde!
Ziemlich bescheuert, gell?
Ne, ganz so arg ist es nicht, ich habe schon immer wieder mal geschaut, was wohl aus ihr geworden ist und was soll ich sagen? Wenn ich nicht völlig falsch informiert bin, dann steht sie gut gepflegt im LVR Industriemuseum, Oberhausen, allerdings ohne Tender.
Wie man auf dem Foto oben sehen kann, ist der ehemalige Standort der Dampflok aber nicht ganz vergessen, ein einzelnes Rad dient noch als Erinnerung. Tja, das hat dann bei mir dazu geführt, mich wirklich mal ganz bewusst an diese Zeit zu erinnern.
Apropos diese Zeit …
Natürlich schaut man anschließend mal im Internet, ob da noch jemand so einen historischen Gedanken in sich trägt, Voerde ist ja nun auch keine Metropole.
Nebenbei habe ich dort beim Heimatverein noch andere Bilder gesehen, deren Handlungsort ich im Original kenne.
Da sind Erinnerungen an die Glocken der Schranke Bahnhofstraße samt Wartezeit und an die Zeit, als Voerde sich von der Gemeinde zur Stadt wandelte. Ebenfalls an die Postleitzahl 4223, den Bau des „neuen“ Rathauses und noch so viele andere Dinge.
Schön, dass solche Erinnerungen gepflegt werden. Schade, dass ich so weit weg bin
Nichts ist selbstverständlich, schon gar nicht für immer
Bei unserem Trip in die alte Heimat vor einigen Tagen sind natürlich unendlich viele Eindrücke auf mich eingestürmt.
Wenn man einige Jahre nicht mehr vor Ort lebt, wird die Gegenwart ja doch eine andere. Sobald die ehemals bekannte Umgebung für einen wieder live, real und zum Anfassen vorhanden ist, fällt der Blick oft auf das vermeintlich Vertraute.
Es werden Bilder, Dinge und Szenen bewusst wahrgenommen, die früher im Hintergrundrauschen untergegangen sind, die Selbstverständlichkeiten des Alltags eben.
Entwicklungen
Eines dieser Bilder für mich persönlich ist der Blick auf das Steag-Kraftwerk Voerde. Mittlerweile außer Betrieb, stellt es durchaus so eine Art inneres Mahnmal dar. Aus der Ferne betrachtet durchaus ein Symbol für die Vergänglichkeit, gerade vielleicht, weil es ja nun doch eine gerade klein ist.
Ich habe in und auf einigen dieser Kamine gearbeitet und den Bau vieler der Anlagen sozusagen live miterlebt. Vermutlich hat das (damals) leistungsstärkste Kraftwerk der STEAG für viele Menschen einfach eine feste Größe darstelle.
Klar, durch meine vielen Internatsaufenthalte komme ich daheim nicht recht dazu, mich um solche Dinge zeitnah zu kümmern. Man macht halt immer wieder das, was sozusagen schon am Hintern klebt, richtig fertig wird man aber auch nicht.
Fairerweise muss ich vielleicht sagen, dass all diese Aufgaben wirklich überhaupt nicht auf der Liste der fälligen Pflichten standen, die kamen quasi einfach obendrauf. Warum? Weil ich ein bisschen bescheuert bin und will, das die digitale Welt 100 % zuverlässig funktioniert!
Vielleicht, aber nur vielleicht, habe ich aber einiges forciert, weil eben Ferien waren und im Vorfeld bekannt, dass die ersten zwei Umschulungswochen garantiert online stattfinden werden. Wenn man dabei mit stabiler und auch leistungsfähiger Technik arbeiten will, dann muss man was tun, is‘ so. (Nebenbei ist jetzt die erste Onlinewoche um und ich bin immer noch nicht ganz fertig, aber lassen wir auch das.)
Da geht noch was, oder: Selbst schuld
Normalerweise verwalte ich hier all meine digitalen Angelegenheiten von der eigenen Cloud bis hin zum Fotoalbum und den Ausbildungsunterlagen, mit einem WordPress-Server. Eine kleine lokale Kiste, gehostet auf einem Raspberry Pi2 B+.
Er ist zwar nicht mehr der schnellste seiner Gattung, macht den Job aber ganz ordentlich, will nur auch eben ab und an gepflegt werden.
Da bei den letzten Aufrüstungen an den diversen Notebooks ein SSD-Laufwerk übrig geblieben ist, soll der kleine Server davon profitieren. Man haut sich also die halbe Nacht von Freitag auf Samstag um die Ohren, damit das alles erledigt wird und die Freude ist groß, wenn es am Ende problemlos läuft.
Was macht man aber dann?
Man drückt unüberlegt am Samstagmorgen, noch vor dem zweiten Kaffee, beim Server die Tasten und vergisst, dass das jetzt so nicht mehr geht.
Ich mach’s kurz, ich habe die komplette Linuxinstallation auf dem Raspberry ruiniert!
Immerhin sind Backups ja keine schlechte Idee und sagen wir mal so: Dass Wichtigste läuft schon wieder
Ich weiß ja nicht, aber an Zufälle kann ich da nicht mehr glauben
… soll nur einem Lenovo- Legion-Notebook eine zweite M.2-SSD spendiert werden.
Langsam aber sicher geht dem bereits eingebauten Datenträger der Platz aus, die Daten brauchen Raum.
So gesehen keine große Sache, aber ich konnte und kann mir irgendwie angenehmere Freizeitaktivitäten vorstellen.
Obendrein ist es wohl doch so, dass solche selbstauferlegten Pflichten scheinbar immer gebündelt auftreten. Die kleine Begebenheit hier und der verlinkte Beitrag um vorherigen Satz sind übrigens zwei völlig unabhängige Vorgänge. Das Universum scheint zu erkennen, wenn Werkzeug bei eher unangenehmen Pflichten sozusagen noch warm ist
Wartungsunsinn
Seit die Notebooks keine Wartungsklappen mehr haben, um selbstverständliche Arbeiten ohne große Mühe durchführen zu können, drücke ich mich allerdings ganz vor solchen Arbeiten.
Die Einrastbauweise der Gehäuse sorgt ganz gerne dafür, dass irgendwelche Nasen abbrechen (können). Überhaupt muss man nicht selten das halbe Innenleben ausweiden, um an etwas heranzukommen, was eigentlich direkt vor einem liegt. Der Unfug, dass die Akkus in dieser nachhaltig modernen Welt gar nicht mehr von außen getauscht werden können, setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf
Etwas detaillierter werde ich die ganze Sache auch, von der technischen Seite aus betrachtet, auf michael-floessel.de noch beschreiben, aber eins nach dem anderen.
Was gemacht werden muss, muss halt gemacht werden …
Jedenfalls habe ich beschlossen, dass bei der Gelegenheit die Kiste gleich ordentlich gereinigt werden kann muss, gewisse äußere Anzeichen sprechen einfach dafür.
Zwar werden die Lüfter von außen immer wieder abgesaugt oder mit dem Pinsel „gefegt“, aber mir ist natürlich klar, dass das von innen nicht besser aussehen wird, wie der Anblick auf dem oberen Foto schon vermuten lässt.
Dass beide Propeller aber schon einen Pelz angezogen haben, dass habe ich dann doch nicht erwartet. Muss ja reichlich kalt sein an der Stelle
Sozusagen „Technik trifft auf Schimmeldesign“ …
Erledigt
Alles zusammen dauert ziemlich genau 20 Minuten von Herunterfahren des Notebooks bis Wiedereinschalten und der Staub ist Vergangenheit.
Zusammengefasst
5 Minuten zum Öffnen und 2 Minuten für das Schließen des Gehäuses, man will ja nichts abbrechen …
Dazwischen 3 Minuten für den Einbau der M.2-SSD und der Rest der Zeit, der geht fürs Putzen drauf
Egal, die Murmel ist wieder zu und jetzt, pünktlich zum Wochenende, ist erst mal Ruhe.
Immerhin ist der nächste Internatsaufenthalt in Heidelberg auch schon in Sichtweite, da habe für solche Aufgaben eher keine Zeit mehr.
Eine Fliege, aus der Nähe betrachtet ist sie ein Wunderwerk, oder?
Eigentlich sollte (m)ein Fliegengitter ja verhindern, dass die Fliegen von außen ins Zimmer kommen, das funktioniert leider nur nicht immer.
Ja, ich weiß … Meist sind sie lästig und ein „KLATSCH“ beendet die Existenz für das erwischte Individuum, aber nichtsdestotrotz, Fliegen sind schon komplexe und faszinierende Kreaturen.
Ist das Insekt jedoch im Haus, dann kommt es nicht mehr raus!
Für mich aber eine gute Gelegenheit, mit der Kamera näher heranzukommen. Ich bin ja ohnehin erstaunt, dass die Fliege so lange still gehalten hat, normalerweise dreht mir ja jedes nicht menschliche Wesen gleich den Hintern zu, wenn ich auf den Auslöser drücke.
Da ich mich nicht wirklich für eine Aufnahme entscheiden kann, packe ich einfach mehrere Fotos in den Artikel
Man möge mir verzeihen, dass ich eines der Fotos irgendwo im Netz vielleicht schon gepostet habe.
Spannender wird es dadurch sicherlich nicht, aber da ich die Fotos gerade beim Sortieren wieder vor Augen habe, muss ich sie einfach mal gemeinsam hinterlegen.
Nebenbei bemerkt, ist so ein eigener Blog ohne wirklichen roten Faden ja auch eine gute persönliche Zeitkapsel, gell?
Auf ein Wort, weil es mir gerade beim Thema „Bilder“ einfällt!
Wenn jemand von Euch auch bei Instagram herumturnt und wir uns dort noch nicht begegnet sind, das hier bin ich:
Weil da bei der Erstellung des Accounts etwas verbaselt wurde (ne, nicht vom mir!) und der Name seitdem reserviert ist. Irgendwie habe ich es geschafft, den gleich im ersten Anlauf damals in ein Desaster zu verwandeln, den Accountnamen …
Ich habe scheinbar einen gewissen Fimmel für kleine Stände oder auch Geschäfte.
Vielleicht besser gesagt, nicht einfach „klein“, eher „zum Anfassen“.
Jedenfalls in der Art, dass man bei einem Gespräch nicht nur mit einer Personalnummer spricht, sondern wirklich mit einem oder dem Menschen, der quasi voll bei der Sache ist.
Zufällig gesehen
Wie dem auch sei, als ich mit meiner Frau vor einigen Tagen ein bisschen durch Heppenheim gebummelt bin, sind wir irgendwie mit dem Herrn auf dem zweiten. Foto beim Stand „Gerds Saftladen“ ins Gespräch gekommen.
Ich denke, dass das der Gerd ist, tatsächlich habe ich vergessen, ihn danach zu fragen
Ich fand (und finde) die Idee ziemlich gut und nutze jetzt die Gelegenheit und meinen Blog einfach dazu, ihn hier im Blog zu erwähnen.
Nein, bekommen habe ich nichts dafür, wie manche nun vielleicht denken!
Ich finde nur, gerade im Rück- und Hinblick auf Corona, dass man vielleicht ein bisschen dafür sorgen sollte, dass solche Händler nicht aus dem Stadtbild verschwinden.
Ihr erinnert Euch garantiert an das geniale Musikvideo von und mit Corinna, oder?
Das, in dem sie ziemlich genial (und vielleicht ein klein wenig sarkastisch) aufzeigt, was einer Mutter so geboten wird, wenn sie einen Teilzeitjob sucht.
Nein? Doch?
Na, ehe es jemand verpasst, hier gleich noch mal „Ländlicher Raum“
Nicht live, aber per Text und in Farbe hier im Blog, Corinna im O-Ton zum Thema Teilzeitarbeitsplatz für Mütter in Gegenden, wo die Wege lang und die Möglichkeiten offensichtlich kurz sind.
Ok, was soll ich noch sagen, hier ist das Interview
Dein Text zu diesem Lied behandelt ja nicht nur eins, sondern gleich mehrere Themen. Warum?
Was in diesem Text aufs Korn genommen wird, hat ja leider einen recht ernsten und unschönen Hintergrund. Der Text beschreibt mehrere Punkte, die jeweils einzeln schon problematisch sein können, die sich jedoch auch teilweise überschneiden und sogar gegenseitig bedingen – eben besonders im ländlichen Raum.
Und die treffen zumindest momentan auch alle auf mich zu, deshalb kommen sie alle im umgeschriebenen Liedtext vor.
Du nennst den ÖPNV.
Ja. Denn der ist im ländlichen Raum einfach nicht nennenswert. Ich wohne selbst in einer Kleinstadt mit 12.000 Einwohnern in der Kerngemeinde. Und ich bin froh, in der „Stadt“ zu leben! Leute, die in einem der vielen umliegenden Dörfer leben, lachen gackernd, wenn man „Öffentlicher Personennahverkehr“ auch nur ausspricht. Da fährt zwei Mal am Tag ein Bus – der Schulbus. Einmal morgens, einmal nachmittags. Am Wochenende fährt kein einziger Bus.
Was bleibt also übrig an Fortbewegungsmitteln?
Mit dem Fahrrad lässt sich zumindest dort, wo ich wohne, längst nicht alles erreichen (hier gibt es neben Kühen und Hühnern auch viele, viele Hügel). Auch mit dem Zug nicht – hier wurden Zugstrecken sogar rückgebaut.
Die Leute müssen also sehr oft aufs Auto zurückgreifen, aber wenn man sich mal ausrechnet, wie viel ein Auto eigentlich kostet … Naja, ich schweife ab.
Und die anderen Themen?
Die Kühe und Hühner?
Scherz beiseite – das zweite Thema ist das Jobangebot auf dem Land. Und das dritte die Jobsituation und Job-Such-Situation von Müttern in Teilzeit. Was ein bisschen ineinandergreift.
Um das näher zu erklären, muss ich noch einmal über meine persönliche Situation reden. Ich bin Mutter eines kleinen Kinds, das das Down-Syndrom hat. Zudem gehe ich einer Erwerbsarbeit in Teilzeit nach, aktuell zwölf Stunden pro Woche.
Regelmäßig sehe ich mich auf Stellenportalen um, und logischerweise hauptsächlich in den Branchen, in denen ich studiert und gelernt habe. Da gibt es so gut wie keine Jobangebote – zumindest nicht auf dem Land, sondern in größeren Städten (die mindestens 45 Minuten Autofahrt entfernt liegen), und zumindest keine in Teilzeit. Und wenn in Teilzeit, dann mit Minimum 20 Arbeitsstunden.
Tja, was soll ich sagen, ich bin zum einen pflegende Angehörige, was natürlich Zeit verschlingt. Zum anderen möchte ich ja selbst nicht nur „zu Hause sitzen“, sondern ich will ja arbeiten – und auch gerne mehr als zwölf Stunden pro Woche. Und am besten einigermaßen in der Nähe, damit ich auch notfalls schnell vor Ort sein kann, wenn der Kindergarten anruft und sagt, dass mein Kind verletzt ist.
Das sind ganz schön viele Probleme, oder?
Ich denke, es sind viele Aspekte eines Problems.
Ich rede aber ungern von „meinem“ Problem, sondern es ist eine Problematik, die viele Mütter betrifft, unter anderem eben mich.
Und diese Problematik beinhaltet zum Beispiel auch die Betreuungssituation von Kindern, damit Mütter überhaupt arbeiten gehen können – was im Lied nun nicht vorkommt, aber das hätte den Rahmen auch gesprengt.
Dann ist es eben auch ein Angebotsproblem und zugleich auch das Problem, dass Unternehmen wirtschaftlich denken, was ebenfalls ineinandergreift. Frauen können schwanger werden, dann sind sie erst mal weg, vielleicht kommen sie ein paar Jahre später zurück, können dann aber nur noch Teilzeit arbeiten und sind sowieso ständig mit einem kranken Kind zu Hause – diese Klischees herrschen in sehr, sehr vielen Köpfen vor, und deshalb lohnt sich diese „Nummer“ für ein Unternehmen wirtschaftlich gesehen nicht. Ich habe es bei meinem eigenen Arbeitgeber oft genug miterlebt, dass nach einem Probearbeitstag einer potenziellen neuen Mitarbeiterin gemunkelt wurde: „Die ist Ende 20, die kriegt bestimmt bald ein Kind.“
Und was passiert? Die Frau wird genau deshalb nicht eingestellt.
Ich meine – what the fuck?!
Zumal zu einem Kind ja meist zwei Elternteile gehören.
Ja. Wir leben im 21. Jahrhundert – auch Väter dürfen in Elternzeit gehen und Teilzeit arbeiten. Aber das ist eher eine Ausnahme, zumindest die Sache mit der Teilzeit. Ach, ich könnte noch stundenlang darüber reden, aber ich bin sowieso schon ganz schön abgeschweift.
Dann noch mal ganz zum Anfang zurück, zum ländlichen Raum: Magst du den denn wenigstens ein bisschen?
(lacht)
Ja, doch, ein bisschen schon. Er hat neben seinen Nachteilen natürlich auch Vorteile, wie das ja bei allem ist. Die Luft ist definitiv besser als in den Großstädten. Es ist hier nicht so anonym wie es in größeren Städten oft ist – was auch ein Nachteil sein kann, aber das ist ein anderes Thema.
Ich lebe nicht auf dem Dorf und darf, wenn ich ein Auge zudrücke, eine Art Mischung aus Stadtleben und Landleben erfahren: Fast alles, was ich für den täglichen Bedarf brauche oder was wichtig ist, ist mit dem Fahrrad zu erreichen. Außer das nächste Krankenhaus – aber das ist ebenfalls ein anderes Thema.
Und doch bin ich, wenn ich möchte, sehr schnell in wunderschönster Landschaft. Mit dem E-Bike zum Beispiel, das ich jetzt endlich habe, kann ich die hügelige Gegend erkunden oder auch tatsächlich zur Arbeit fahren.
Und man ist von hier aus schnell am Bodensee und relativ schnell in den Bergen. Mit dem Auto, natürlich.
Natürlich. Vielen Dank für das Gespräch.
Zum guten Schluss
Vermutlich spricht Corinna vielen Frauen in ähnlicher Situation (aber auch Männern, da bin ich sicher) aus Seele, oder?
Auf jeden Fall sind das Probleme, die angesprochen gehören, weil sie täglich den Alltag beeinflussen. Real werden sie an vielen Stellen bei der Thematik „Job & Kind“ aber schlicht ignoriert, weil der Sachverhalt eben unbequem ist und fast jeder die Verantwortung von sich weist.
Im Zweifel heißt die Parole „Die Betroffenen müssen flexibel sein!“, dieses Totschlagargument hilft nur leider gar nicht.
An dieser Stelle noch einmal einen herzlichen Dank an Dich Corinna, ich weiß, da steckt viel Zeit und Mühe drin
Ich weiß, ich habe das auch im vorherigen Artikel schon erwähnt, aber es kann ja nicht schaden, es zu wiederholen: