Augen auf beim Wetterkauf

Blauer Wolkenhimmel mit Thermometer und verbogenem Zollstock als Sinnbild für Wetter, Messung und verschobene Maßstäbe.Klima, Zweifel und die schnelle Schublade

Warum ich mich genötigt fühle, euch mit diesem langen Artikel zu plagen?

Weil mir im WWW gerade wieder mein baldiges Ende in Aussicht gestellt wurde, weil es sommerlicher wird.

Weil beim Thema Klima inzwischen oft schon eine kritische Nachfrage reicht, damit andere meinen, die passende Schublade für den Fragesteller gefunden zu haben.

Wer nicht bei jeder düsteren Prognose zusammenzuckt, gilt schnell als Leugner, wer Modelle oder politische Maßnahmen hinterfragt, bekommt den Aluhut gereicht und wer trotzdem bestimmte Messwerte oder Erkenntnisse akzeptiert, passt plötzlich auch nicht mehr zur Gegenseite.

Bevor also wieder jemand aus zwei Sätzen meine komplette Haltung zusammenbaut, schreibe ich lieber einmal ausführlich auf, was ich tatsächlich denke und warum ich zu dieser Meinung komme. Mir ist durchaus klar, dass kaum jemand den gesamten Artikel lesen wird, bei einem Thema wie diesem reicht vielen schließlich schon die Überschrift, um sich empören zu können.

Mir macht es nichts aus anzuecken. Man muss meine Gedanken weder teilen noch mögen und schon gar nicht übernehmen, man sollte nur wenigstens wissen, worüber man sich anschließend aufregt.

Am 20. Juli zeigte das Thermometer in Fürth im Odenwald 11 Grad, daraus entstand der kleine Beitrag „Sommer, Hitze, 11 Grad“.

Natürlich widerlegen diese 11 Grad keinen langfristigen Temperaturanstieg. So wenig, wie ein einzelner Tag mit 36 Grad beweist, dass wir kurz vor dem klimatischen Ableben stehen. Wetter ist kein Klima, heißt es schließlich immer, allerdings verschwindet dieser wichtige Unterschied erstaunlich schnell, sobald sich eine Schlagzeile mit Hitze, Dürre oder Starkregen besser verkaufen lässt.

Genau deshalb darf es gerne etwas ausführlicher werden.

Was tatsächlich gemessen wird

Die aus Messungen abgeleitete globale Durchschnittstemperatur ist seit Beginn der breit verfügbaren instrumentellen Aufzeichnungen gestiegen. Das wegzuerklären, nur weil es nicht zum eigenen Bild passt, wäre genauso unseriös wie die Behauptung, jeder ungewöhnlich warme Tag sei bereits der persönliche Gruß vom Weltuntergang.

Allerdings steht nirgendwo ein riesiges Thermometer, an dem morgens die Temperatur der gesamten Erde abgelesen wird.

Globale Temperaturreihen werden aus Lufttemperaturen an Land, Messungen der Meeresoberfläche, räumlichen Gittern und statistischen Verfahren zusammengesetzt. Der Datensatz HadCRUT5 beispielsweise kombiniert Stationsmessungen an Land mit Messungen von Schiffen und Bojen, verteilt diese auf Rasterflächen und gibt neben dem berechneten Verlauf auch Unsicherheitsbereiche an. Gerade in frühen Zeiträumen und schlecht abgedeckten Regionen sind diese Unsicherheiten größer. Quelle: Originalarbeit zu HadCRUT5

Auch die Messpraxis selbst war nicht zu allen Zeiten identisch. Messgeräte wurden ausgetauscht, Stationen versetzt, Umgebungen bebaut und Berechnungsverfahren verändert. Solche Brüche werden dokumentiert, geprüft und teilweise rechnerisch ausgeglichen. Das ist grundsätzlich notwendig und noch kein Beleg für Manipulation, es bedeutet aber, dass eine globale Temperaturkurve immer ein bearbeitetes Ergebnis aus vielen unterschiedlichen Daten ist und keine durchgehend unter identischen Bedingungen entstandene Messreihe.

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Warum diese Quellen? Die will ich nicht.

Radio, Laptop, Zeitung, Einkaufskorb und Euroscheine als Sinnbild für Konsumdruck und Dauerbeschallung, fotorealistisch per KI erstellt.Alles scheiße?

Man schreibt einen Artikel, durchaus auch mal mit Inhalten, die nicht nur aus der eigenen Laune heraus entstanden sind und deshalb belegt werden sollen, also kennzeichnet man die eigene Meinung, sucht Nachweise für Zahlen, Aussagen oder Zusammenhänge und hängt die verwendeten Quellen unter den Text.

Könnte damit erledigt sein, ist es natürlich nicht… :roll:

Irgendwann kommt jemand daher und erklärt, wie schlecht, unseriös oder einseitig genau diese Quellen doch seien, meistens übrigens, ohne auch nur eine bessere zu nennen.

Nun, werte Meckermenschen, welche wären denn sinnvoll? Die Quellen, die möglichst genau belegen, was in einem Artikel steht, oder doch lieber nur diejenigen, die eure persönliche Meinung bestätigen?

Das ist nämlich nicht dasselbe.

Eine Quelle ist keine Liebeserklärung

Wenn ich einen Beitrag von ARD oder ZDF verlinke, bedeutet das nicht, dass ich plötzlich alles glaube, was dort vom Bildschirm fällt, ebenso unterschreibe ich nicht automatisch das komplette Weltbild einer Zeitung, eines Senders, einer Behörde, Partei oder irgendeines anderen Portals, nur weil ich eine konkrete Aussage von dort als Quelle nutze.

Ich verlinke eine Zahl, ein Dokument, eine Aussage oder einen Zusammenhang, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Eine Quelle ist schließlich kein Mitgliedsantrag und schon gar keine Liebeserklärung an die Redaktion dahinter.

Neutral ist meistens das, was einem selbst gefällt

Ich bemühe mich schon, Nachweise aus verschiedenen Richtungen zu finden, ohne dabei jedes bunte Reißwolfmagazin mitzunehmen, das aus drei Halbsätzen eine Weltverschwörung oder den unmittelbar bevorstehenden Untergang des Abendlandes baut, nur findet sich eben nicht immer eine Quelle, die auf jeden Besucher hier vollkommen neutral wirkt.

Vermutlich gibt es die auch gar nicht, denn für viele Menschen bedeutet „neutral“ inzwischen nur noch, dass eine Quelle genau das bestätigt, was sie ohnehin schon glauben.

Tut sie das nicht, ist sie gekauft, gesteuert, links, rechts, staatlich, populistisch oder einfach grundsätzlich unseriös, irgendetwas passt immer.

Was einem als relevant, glaubwürdig oder passend verkauft wird, ist ohnehin noch einmal eine eigene Baustelle. Dazu hatte ich unter Muss man Dir sagen, was relevant ist? schon meinen Senf abgegeben.

Alle Richtungen haben ihre Scheuklappen

Wer ARD und ZDF grundsätzlich alles glaubt, will manche Teile der Realität vielleicht gar nicht sehen, wer sich dagegen ausschließlich in den extremen Gegenwelten dazu bewegt, sieht irgendwann ebenfalls nur noch den Kontrast und nicht mehr die Möglichkeiten dazwischen.

Beides ergibt kein vollständiges Bild, deshalb schaue ich nach Möglichkeit in verschiedene Richtungen und politische Lager, prüfe, was zu dem jeweiligen Punkt passt, und nehme dann die Quelle, die ich in diesem Moment für nachvollziehbar und sinnvoll halte.

Unabhängig davon, welcher Name oben auf der Seite steht.

Was ich von manchen angeblich besonders seriösen Portalen halte, findet jeder hier im Blog, der aufmerksam liest. ;-)

Maulen geht natürlich immer

Man darf eine Quelle kritisieren, anderer Meinung sein und selbstverständlich bessere Nachweise liefern, damit kann man arbeiten.

Wer allerdings nur maulen möchte, weil ihm die Aussage nicht gefällt, selbst aber nichts Brauchbares auf den Tisch legt, hat keine Quellenkritik geliefert, sondern eben nur gemault.

Auch eine Form der Beteiligung, nur keine besonders hilfreiche.

PS

Das gilt ganz oft auch für Likes und geteilte Inhalte. Nur weil ich gerne Chicken-Nuggets esse, muss ich noch lange nicht die ganze Hühnerzucht lieben ;-)

 

 

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