Krank? Dann zahl und arbeite

Wenn man nicht faul ist, kann man auch gemolken werden?Wer krank ist, steht unter Verdacht

Wer mich kennt, weiß, dass ich seit 2005 auf keine Bundesregierung auch nur einen Cent gebe. Ein Geheimnis habe ich daraus nie gemacht.

Streng genommen ging das schon vorher los, spätestens seit Helmut Kohl Deutschland 1993 sinngemäß zum „kollektiven Freizeitpark“ erklärte, weil hier angeblich zu wenig gearbeitet und zu viel Freizeit gemacht wurde.

Trotzdem muss ich inzwischen zugeben, dass selbst meine schlimmsten Befürchtungen offenbar noch Luft nach oben hatten. Seit ein Kanzler regiert, dessen Nachname ohne Umlaut stark an einen Frühlingsmonat erinnert, hat die politische Show endgültig sämtliche Grenzen des Lächerlichen gesprengt. Ein „Es reicht“ reicht längst nicht mehr, dafür ist das Schauspiel schon viel zu weit fortgeschritten.

Krank oder einfach nur keine Lust?

 

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Ein Beitrag geteilt von Michael F. (@sesselphilosoph)

Die Koalition will die telefonische Krankschreibung abschaffen und künftig bereits ab dem ersten Krankheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung verlangen. Der Kanzler spricht dabei von einem Wettbewerbsnachteil durch lange Abwesenheiten, den man sich nicht länger leisten könne.

Die Botschaft dahinter ist für mich ziemlich eindeutig. Wenn der deutsche Arbeitnehmer morgens nicht zur Arbeit erscheint, ist er vermutlich nicht wirklich krank. Vielleicht hat er einfach keinen Bock, möchte ausschlafen, feiern oder sich einen schönen Tag machen. Also ruft er kurz beim Arzt an, erzählt etwas von Husten und hängt anschließend mit einem Kaltgetränk auf der Terrasse herum. So ungefähr scheint man sich das in Berlin vorzustellen.

Dabei funktioniert die telefonische Krankschreibung keineswegs wie ein Bestellservice für freie Tage. Sie ist nur bei leichten Erkrankungen möglich, auf höchstens fünf Kalendertage begrenzt und der Patient muss in der Praxis bekannt sein. Ob eine telefonische Krankschreibung ausreicht, entscheidet immer noch der Arzt. Das erklärt sogar die Bundesregierung selbst.

Trotzdem wird recht offen der Eindruck vermittelt, man müsse Arbeitnehmer vor allem deshalb stärker kontrollieren, weil sie ansonsten ihren natürlichen Hang zum Krankfeiern ausleben würden.

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Der Karenztag, jetzt wird alles gut

Beate niest grinsende Bazillen quer durchs Büro, während auf den Monitoren der Desasterkreis läuft. Satirisches KI-Bild zum Karenztag.Ein Tag geht immer, aber ja! Oder?

Ich habe zu dem Thema ja schon meine Gedanken hier niedergeschrieben.

Nimmt man jetzt mal den Faden mit dem „krank ist man erst ab Tag 2“ auf, kommt zumindest mir direkt ein Szenario ins Hirn:

Beate X. fühlt sich am Samstag schon schlapp. Müde, schwer, kratzig im Hals, irgendwas ist im Anflug. Den Sonntag verbringt sie irgendwo zwischen Tee, Decken, Schlafen und Ibus. Nicht sterbenskrank, aber eben auch nicht gesund. Sie kennt ihren Körper und weiß, dass sie am Montag eigentlich zum Arzt müsste, weil da in ihr schon die Bazillenküche vorheizt.

Nur ist da eben dieses kleine Problem.

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Berlin in schlau: Auf fremde Kosten

Ein kopfloser Anzug greift in die Ladenkasse und steckt das Geld einer sichtbar angeschlagenen Arbeitnehmerin in die Tasche. Satirisches KI-Bild zur politischen Entlastung auf fremde Kosten.Dreister geht immer!

Es gibt Ideen, da liest Du im Netz nur die ersten Worte und weißt: Jetzt legen sie wieder einen drauf.

Bester Tipp: Vor dem zweiten Kaffee alles ignorieren.

Manchmal ist man aber zu neugierig, schon zu wach, oder der Kaffee war stärker als erwartet. Jedenfalls steht man dann da, liest weiter und fragt sich, ob in Berlin eigentlich noch jemand merkt, was er da erzählt.

So dumm kann niemand sein. Auch dann nicht, wenn man von dem Ressort, für das man da zuständig ist, offenbar gar keine Ahnung hat.

Nein, das ist entweder Gleichgültigkeit oder pure, absichtliche und ziemlich dreiste Verarschung.

Da wird den Arbeitnehmern eine Entlastung verkauft. Bis zu 1.000 Euro sollen steuer- und abgabenfrei möglich sein. Das klingt natürlich erst mal gut, weil mehr Geld auf dem Konto immer besser aussieht als weniger Geld. Gerade in einer Zeit, in der man beim normalen Einkauf an der Kasse kurz überlegt, ob man gerade Lebensmittel bezahlt oder heimlich Anteile an einem Rohstoffkonzern gekauft hat.

Nur steht die eigentliche Pointe nicht in der schönen Überschrift.

Der Arbeitgeber soll zahlen

Der Staat zahlt diese 1.000 Euro nicht.

Die Bundesregierung schreibt selbst, dass Arbeitgeber diese Entlastungsprämie zusätzlich zum Arbeitslohn auszahlen können. Eine Pflicht gibt es nicht, so steht es bei der Bundesregierung.

Auch das Bundesfinanzministerium spricht davon, dass Arbeitgeber im Jahr 2026 eine steuer- und abgabenfreie Entlastungsprämie in Höhe von 1.000 Euro zahlen können. Können. Nicht bekommen. Nicht müssen.

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