Morgens, wenn der Graben lebt

Neblige Landstraße im frühen Morgenlicht, ein Reh steht am Straßenrand - KI generiertWenn der Odenwald im Nebel lauert

Ich schleiche ja in der Regel nicht durch die Gegend.

Gefühlt bin ich eher zügig unterwegs, jetzt nicht Rallye Odenwald, nicht „Platz da, hier kommt der Wichtigste“, sondern einfach so, dass man vorankommt, wenn Straße, Wetter und Hirn das zulassen.

Was ich hier im Odenwald in den letzten Jahren obendrein sehr zuverlässig gelernt habe: Diese Schilder mit „Wildwechsel“ stehen nicht zur Dekoration herum, die meinen das wirklich.

Reh, Katze, Fuchs, Waschbär, alles schon gehabt. Mal vor mir, mal neben mir, mal mit diesem Blick aus dem Graben, als hätte das Tier gerade selbst gemerkt, dass seine Lebensplanung für den heutigen Morgen etwas riskant geworden ist.

Toi, toi, toi, bisher konnte ich immer bremsen, ausweichen oder gerade noch so aus der Nummer raus. Inklusive leichtem Streicheln, also dieser Sorte Kontakt, bei der du danach wach bist, obwohl der Kaffee noch im Becher wartet.

Man lernt daraus

Ich weiß also schon, warum ich an bestimmten Stellen manchmal den Fuß vom Gas nehme.

Nicht, weil ich plötzlich altersmilde mit der Straße kuscheln möchte. Nicht, weil ich vergessen habe, wo rechts das Pedal ist. Sondern weil ich die Strecke kenne.

Da gibt es Kurven, Gräben, kleine Waldstücke, offene Felder und diese Stellen, an denen morgens zwischen fünf und sechs irgendwie alles passieren kann.

Ein Reh kommt selten höflich mit Blinker, ein Fuchs stellt keinen Antrag auf Fahrbahnquerung und ein Waschbär diskutiert auch nicht erst die Verkehrslage, bevor er sich denkt: „Jetzt!“

Da ist Bremsen keine Schwäche, sondern schlicht die bessere Idee.

Wenn der Nebel mitfährt

Heute früh kam dann noch Nebel dazu.

Nicht dieser romantische Kalendernebel, bei dem irgendwo ein Hirsch auf einer Lichtung steht und alle ganz ergriffen tun. Eher die Sorte Nebel, die sich wie ein Schmierfilm auf die Scheiben legt und aus jeder Kurve einen kleinen Hinterhalt macht.

Du siehst die Straße, aber eben nicht richtig. Du erkennst den Rand, aber eben spät. Der Graben ist da, die Büsche sind da, nur was gleich daraus hervorspringt, bleibt offen.

Reh, Fuchsgröße, Waschbär? Alles ist möglich.

Pferd? Gefühlt auch, weil der Kopf morgens um fünf bei Nebel großzügig mit Katastrophen rechnet.

Man fährt also konzentriert, etwas vorsichtiger, schaut mehr, rechnet mit allem und versucht, nicht ausgerechnet heute die Hauptrolle in „Tierischer Überraschungsbesuch auf der Landstraße“ zu übernehmen.

Die Königsklasse

Richtig rund wird es natürlich erst, wenn dann noch einer überholt, als gäbe es kein Morgen.

Nebel. Kurve. Wildwechsel. Odenwald. Morgens halb sechs.

Da muss man erst mal auf die Idee kommen: „Jetzt wäre ein guter Moment, mein Vertrauen in Glück, Gegenverkehr und Reh-Intelligenz gleichzeitig zu testen.“

Vielleicht ist das auch eine besondere Form von Frühsport. Andere dehnen sich, manche joggen, wieder andere überholen im Blindflug und nennen es Fahrerlebnis.

Ich nenne es eher: Denken ist halt Glückssache.

Und manchmal fährt das Glück eben leider auch auf der Gegenfahrbahn.

 

 

Übersicht im Blog verloren? Hier bist Du!
Home Reh
Bisschen Desasterkreis & Social Media?

Der Desasterkreis bei Facebook Der Desasterkreis bei Instagram Der Desasterkreis bei Pinterest Der Desasterkreis bei XDer Desasterkreis bei Bluesky

 

Adrenalin von 0 auf 100 in Millisekunden

Dunkle Landstraße im Scheinwerferkegel, rechts am Rand ein Reh, das den Puls auf Anschlag bringt.Da ist man schnell wach, aber so richtig!

Morgens.
Dunkel.
Landstraße.
Alles noch im Modus „Lass‘ einfach rollen …„.

58 km/h auf dem Weg Richtung 70, keine Hektik, nur das Abblendlicht, das die Welt auf eine Handvoll Meter zusammenfaltet. Die Gedanken sortieren irgendwas im Hinterkopf, von dem man selber nicht weiß, dass man über sowas nachdenken kann.

Dann passiert genau das, was man in dem Moment nicht gebrauchen kann.

Rechts im Gras steht ein Reh!

Nicht auf der Fahrbahn, aber nah genug, dass der Puls sofort beschließt, ab jetzt alleine zu fahren.

Die Straße ist leicht rutschig, die Kurve kommt, und im Kopf steht nur noch ein einziger Satz, komplett ohne Grammatik, aber mit maximaler Autorität:

BLEIB, WO DU BIST!!!

Das ist diese Millisekunde, in der man gleichzeitig bremst, lenkt, scannt, rechnet und trotzdem denkt, man sei eigentlich noch im Halbschlaf. Kaffee? Kann warten. Erstmal kurz wieder Mensch werden.

Zum Glück hat das Reh mitgespielt. Es blieb genau da, wo es war. Und ich war zum Glück nicht schneller als nötig.

Manchmal ist Wachwerden kein Prozess. Manchmal ist es ein Ereignis. :mrgreen:

(Und siehe da, jetzt fällt auch auf, dass die Dashcam nicht automatisch auf Winterzeit umgestellt hat. Nun ja, JETZT lohnt das auch nicht mehr ;-) )

 

   

Übersicht im Blog verloren? Hier bist Du!
Home Reh
Bisschen Desasterkreis & Social Media?

Der Desasterkreis bei Facebook Der Desasterkreis bei Instagram Der Desasterkreis bei Pinterest Der Desasterkreis bei XDer Desasterkreis bei Bluesky

 

 

 

 

Dies und das noch:

Wildwechsel ist kein Scherz!

Wildwechsel ist kein Scherz!Der Schreck sitzt

Wisst ihr, wann man morgens so richtig wach ist?

Beim Autofahren, voll in Gedanken, auf dem Weg zur Arbeit?

Wenn plötzlich vor einem alles quietscht, rot aufleuchtet und Reagieren angesagt ist!

Warum?

Weil Reh-Junior mal eben aus dem Graben auf die Fahrbahn gehüpft ist und eine Weile den Asphalt untersuchen musste!

Ich weiß, auf dem Foto ist es leider nicht gut zu erkennen, aber in der Sekunde hatte ich andere Probleme, als auf die Bildqualität der Dashcam zu achten ;-)

Obendrein verzerrt die Kamera auch die Perspektive, real war das alles ein ganzes Stück weiter vor meiner Motorhaube.

Ernsthaft muss ich zugeben, dass ich auch zuweilen die Schilder mit der Warnung vor Wildwechsel eher einfach an mir vorbeiziehen lasse, aber seit ich im Odenwald lebe, habe ich sie doch im Hinterkopf.

Wobei das Tier an sich gar nicht mal so das Problem war, eher die anderen Fahrzeuge. Was manche Menschen unter Ausweichen und Gefahrenbremsung verstehen, unterscheidet sich doch stark von dem, was ich in solchen Momenten mache.

Egal, nix passiert, aber der Schreck, der sitzt :shock:

Das Reh war allerdings eher chillig unterwegs, es ist dann doch eine Weile stehengeblieben und hat die Gesichter begutachtet, die da in den Autos zu sehen waren. Zugegeben – wir werden alle ziemlich bescheuert geguckt haben :mrgreen:

Kurze Info dazu

Auch im Juli ist mit Wildwechsel zu rechnen. Gerade Rehe sind das ganze Jahr unterwegs, aber im Sommer steigt die Gefahr nochmal, weil dann ihre Paarungszeit (die Blattzeit) beginnt.

Da wird viel herumgerannt, gejagt und Straßen werden öfter überquert, auch früh morgens oder spät abends.

Dazu kommen Jungtiere, die anfangen, die Gegend zu erkunden. Im Odenwald also definitiv ein Thema, selbst mitten im Sommer!

Also: Augen auf!

 

Übersicht im Blog verloren? Hier bist Du!
Home Reh
Bisschen Desasterkreis & Social Media?

Der Desasterkreis bei Facebook Der Desasterkreis bei Instagram Der Desasterkreis bei Pinterest Der Desasterkreis bei XDer Desasterkreis bei Bluesky