74 Kilometer bis zur inneren Krise
Gestern stand ein beruflicher Termin in Wallau an.
Vorher kurz die Strecke gecheckt, 74 Kilometer, rund 50 Minuten Fahrzeit, also nichts, worüber man morgens groß nachdenken müsste.
Früh los, direkt von daheim, zwei Kaffee rein, fertig. Ich dachte noch, das passt alles, so früh am Tag wird mir schon keiner in die Planung grätschen und unter einer Stunde Fahrt solle auch die Blase verkraften.
Tja
Start war um 7:09 Uhr, angekommen bin ich um 9:16 Uhr ![]()
Das Wiesbadener Kreuz hatte offenbar andere Pläne. Aus einer überschaubaren Anfahrt wurde eine gute Stunde Stau, mit allem, was dazu gehört. Kein Vorwärtskommen, kein Ausweichen, kein Klo. Genau die Sorte Komfort, die man morgens nach zwei Kaffee ganz besonders zu schätzen lernt.
Am Anfang redet man sich sowas noch schön
Gleich zieht es an. Gleich löst sich das auf. Gleich kommt Bewegung rein. Nach einer Weile merkt man dann, dass dieses „gleich“ im Straßenverkehr ein erstaunlich dehnbarer Begriff ist. Vorne leuchten Bremslichter, links und rechts rollt das Elend im Schritttempo vorbei, und man selbst steht einfach da und hofft auf irgendeine Form von Erlösung.
Richtig spannend wird es in dem Moment, in dem der zweite Kaffee beschließt, sich wieder in Erinnerung zu bringen, ab da verliert so ein Stau garantiert seinen harmlosen Charakter.
Dann stehst du zwischen LKW, Blech und diesem blauen Schild, das dir ernsthaft 1500 Meter ankündigt, als wäre das noch eine Strecke, mit der sich arbeiten ließe und das heißt ja nur, dass es dann auf die nächste Autobahn geht, nicht zum WC.
Was einem in solchen Momenten durch den Kopf geht, ist auch speziell. Jede Form von Behälter wird auf die Fähigkeit zur Zweckentfremdung als Toilette durchdacht, wohlwissend, dass DAS alleine nicht ausreichen kann, immerhin sitzt man hinterm Lenkrad.
Und ja, da kann ich nicht mal der Regierung die Schuld geben, vermute ich wenigstens … ![]()
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Bisschen Desasterkreis & Social Media?