Schmetterling ohne Lack

Im Gegenlicht sieht selbst eine Motte plötzlich aus wie ein Schmetterling, der einfach nur noch nicht lackiert wurde.Schmetterling ohne Lack

Gestern oder vorgestern schien die Sonne schön auf das Wohnzimmerfenster, und wie das eben so ist, schaut man irgendwann auf irgendeinen Fleck und denkt sich, den könntest du auch mal wegmachen.

Blöd nur, wenn der Fleck plötzlich Flügel hat :shock:

Es war also keine Spur auf der Scheibe, sondern eine Motte, die da offenbar ziemlich zufrieden im Licht hing.

Ob sie sich wärmen wollte, ob sie einfach nur Richtung Helligkeit unterwegs war oder ob Motten intern ganz andere Pläne haben, weiß ich nicht. Was ich aber weiß, ist, dass das Ding durch das Gegenlicht plötzlich erstaunlich gut aussah.

Durchleuchtet statt übersehen

Normalerweise sind Motten ja eher in der Kategorie „ist halt da“ unterwegs. Keine große Show, keine knalligen Farben, kein Glamour, eher die stillen Gäste unter den Flatterwesen. Wenn die Sonne allerdings genau richtig auf so ein Tier fällt, sieht man plötzlich, wie filigran das alles gebaut ist.

Diese feinen Flügel, die Muster, die Struktur, das feine Geflecht, das man sonst gar nicht richtig wahrnimmt. Im Prinzip saß da also kein langweiliger Nachtfalter am Fenster, sondern eher ein Schmetterling ohne Lack. Quasi nur grundiert, aber handwerklich trotzdem beeindruckend.

Fast zu schade für den Ruf

Vielleicht ist das überhaupt das Problem bei Motten. Die haben einfach ein miserables Image. Schmetterlinge kriegen Bewunderung, Motten kriegen im besten Fall Gleichgültigkeit und im schlechteren Fall sofort den Verdacht, irgendwo Pullover, Vorräte oder das halbe Wohnzimmer anzufressen.

Wobei ich an der Stelle schon hoffe, dass dieses Exemplar mit meinem seit Wochen verschwundenen Socken nichts zu tun hat. Man weiß ja nie. Die Waschmaschine gilt zwar offiziell noch immer als Hauptverdächtige, aber man sollte andere Theorien nicht vorschnell ausschließen. :mrgreen:

 

 

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Tagpfauenauge auf Sonnendeck

Tagpfauenauge mit geöffneten Flügeln auf einer hellen Steinfläche im Garten.Wenn der Kollege wieder in der Sonne sitzt

Da ist er also wieder, der Kollege vom kleinen Schmetterlingsbad im Garten.

Im letzten Beitrag Stopp! Kein Nachtfalter saß er spät am Abend auf den feuchten Steinen am Außenwasseranschluss, nahm offenbar erst einmal Wasser auf und sah mit zusammengeklappten Flügeln so unauffällig aus, dass man ihn fast übersehen hätte. Tagsüber flatterten mehrere Tagpfauenaugen herum, abends saß da dieses dunkle, getarnte Etwas und ließ offen, ob er nun wirklich einer davon war oder einfach nur wieder ein kleines Rätsel auf sechs Beinen.

Jetzt hat er den Vorhang hochgezogen.

Diesmal saß der Kollege nicht im Halbdunkel an der Tankstelle, sondern schön offen auf einer Steinfläche, Flügel ausgebreitet, Sonne drauf, Ruhe im System.

Natürlich an einer anderen Stelle, denn man sonnt sich ja nicht da, wo man nachts badet und trinkt. Ein bisschen Stil darf selbst ein Falter haben, gell? :mrgreen:

Nachts betrinken, tagsüber sonnen

Was für ein Lotterleben!

Nachts kommt der Herr zum Baden und Trinken vorbei, am Tag setzt er sich irgendwo anders dekorativ in die Sonne und lässt sich fotografieren. Nur – nicht von mir :roll:

Das Foto hat Tochter S. gemacht, ich selbst bekam nicht einmal den Popo, denn bei mir war unter drei Meter Abstand Schluss. Kaum komme ich mit dem Handy in Reichweite, macht er die Flatter.

Kann man natürlich machen, wirkt aber schon ein bisschen persönlich… Wollte ich nur mal so gesagt haben, Herr Falter!

Offenbar bin ich in diesem Garten fürs Wasser zuständig, fürs Schreiben und fürs spätere Meckern, während andere das Foto bekommen.

Diesmal mit geöffnetem Beweisstück

Beim letzten Mal war die Sache noch nicht ganz so eindeutig. Dunkle Unterseite, Abendlicht, zusammengeklappte Flügel und ein Falter, der eher nach großer Motte aussah, als denn nach Schmetterling.

Wissenswertes zum Tagpfauenauge

Das Tagpfauenauge heißt wissenschaftlich Aglais io und gehört zu den Edelfaltern. Auffällig sind die großen Augenflecken auf den Flügeln, durch die der Falter bei geöffneten Flügeln ziemlich gut zu erkennen ist.

Tagpfauenaugen überwintern als fertige Falter, zum Beispiel in Höhlen, Kellern oder Garagen. An den ersten wärmeren Tagen können sie schon ab März wieder auftauchen. Sie sonnen sich gerne auf freien, windgeschützten Stellen, was dieses Exemplar offenbar sehr wörtlich genommen hat.

Die Eier werden auf Brennnesseln abgelegt. Wer also irgendwo im Garten ein paar Brennnesseln stehen lässt, betreibt im Grunde schon ein kleines Tagpfauenauge-Servicecenter. Nur ohne Schild, Parkplatz und Öffnungszeiten.

Quelle und mehr Infos:
BUND Rheinland-Pfalz: Tagpfauenauge

Das kleinste Sonnendeck im Garten

Langsam wirkt es fast so, als hätte sich herumgesprochen, dass es hier im Garten nicht nur Wasser, Steine, Pflanzen und Menschen mit Handy gibt, sondern auch halbwegs brauchbare Plätze für kurze Falter-Auftritte.

Ich freue mich, so etwas im Garten zu haben, denn im Gegensatz zu früher sehe ich sie nicht mehr oft, die Tagpfauenaugen und Schmetterlinge an sich.

 

 

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