Zuckerfrei ersetzt kein Denken

Zuckerfrei, fettfrei, proteinreich. Wenn das Marketing den Einkaufszettel schreibt, bleibt das eigene Denken gerne mal im Regal. ;-)Zucker killt mein Kind! Oder so ähnlich …

„Jetzt noch was Zuckerfreies für den Kleinen, damit er gesund bleibt!“

Beim Einkaufen aufgeschnappt, eine Mutter im Gespräch mit ihrer Freundin. Eigentlich nur ein beiläufiger Satz, aber manchmal reichen eben ein paar Worte, um mir für den Rest des Einkaufs die Beschäftigung fürs Oberstübchen zu liefern.

Dabei geht es mir gar nicht um diese Mutter. Ich weiß weder, was sie sonst einkauft, noch ob es besondere Gründe für ihre Entscheidung gibt. Vielleicht möchte sie einfach auf etwas weniger Zucker achten, dagegen spricht ja überhaupt nichts.

Was mich vielmehr beschäftigt, ist die Frage, wie schnell aus einer vernünftigen Überlegung eine scheinbar unumstößliche Wahrheit wird, die irgendwann kaum noch jemand hinterfragt.

Wenn die Verpackung das Denken übernimmt

Zuckerfrei? Gesund! Fettfrei? Bestimmt auch ganz toll! Protein muss möglichst viel drin sein, zumindest solange die aktuelle Influencer-Generation das noch für angesagt hält.

Was gerade als besonders gesund gilt, wird groß auf die Verpackung gedruckt, die passenden Erklärungen liefern selbsternannte Ernährungsexperten auf Instagram und TikTok gleich dazu.

Das Problem ist nicht, dass Menschen bewusst einkaufen oder auf ihre Ernährung achten. Problematisch wird es für mich dann, wenn Schlagworte irgendwann das Verständnis für Zusammenhänge ersetzen.

Hat man etwas nur oft genug gehört, sitzt es irgendwann wie einbetoniert im Kopf. Aus einer Empfehlung wird eine Regel, aus der Regel eine Überzeugung und irgendwann steht überhaupt nicht mehr zur Debatte, ob das Ganze tatsächlich so einfach (bzw. sinnvoll) ist.

Ich habe da ein kleines Gegenbeispiel

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle auf meine eigene Geschichte verweisen, die ich bereits 2019 im Beitrag Abnehmen, Kilos, Nicht-Diät, Diabetes: (K)ein K(r)ampf ausführlich beschrieben habe.

Ich habe inzwischen über 50 Kilo abgenommen, meinen Diabetes Typ 2 hervorragend im Griff, beste Blutwerte und bin mit meinen 57 Jahren körperlich sicherlich zumindest nicht am Ende meiner Möglichkeiten.

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Scheiße, ich habe ja Diabetes!

Blutzuckermessgerät mit satirischer HbA1c-Steuer und errechnetem Euro-Betrag. KI-generierte Darstellung auf Basis eines eigenen Fotos.Steuerklasse HbA1c?

Diabetes = Zucker = Ich bin am Arsch!

So jedenfalls die Kurzfassung, wenn in Berlin irgendwann jemand bemerkt, dass bei mir seit Jahren steuerlich völlig ungenutztes Potenzial durch die Gegend läuft.

Eine Zuckersteuer soll kommen. Zucker kostet dann mehr, damit weniger Zucker konsumiert wird. Gesundheit für Leichtgläubige und so. Dass dabei nebenbei ein paar Millionen in die Kasse kommen, ist natürlich nur ein ausgesprochen praktischer Zufall.

Für mich stellt sich allerdings eine ganz andere Frage.

Ich habe Diabetes, umgangssprachlich also Zucker.

Muss ich mich jetzt selbst versteuern?

 

 

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Ein Beitrag geteilt von Michael F. (@sesselphilosoph)


Ich sehe den Brief schon vor mir:

„Sehr geehrter Herr F., unseren Unterlagen zufolge führen Sie dauerhaft Glukose mit sich. Bitte erklären Sie Menge und Verwendungszweck.“

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