Ich mach doch ein Hüpfer-Hotel auf

Grünes Heupferd auf meinem Arm. Einer der regelmäßigen Gäste, die hier inzwischen fast schon zum Inventar gehören.Wenn man Gäste schon am „Klack“ erkennt

Langsam muss ich wohl doch über ein kleines Hotel nachdenken.

Für Grashüpfer, Heuschrecken, Heupferde oder wie auch immer die jeweiligen grünen Kollegen gerade korrekt heißen. An Kundschaft scheint es jedenfalls nicht zu mangeln.

In den letzten Tagen waren nämlich schon wieder ein paar hier.

Auf den Autos sitzt übrigens auch regelmäßig einer. Aber eben immer nur einer auf einem der Autos. Nie mehr. ;-)

Mittlerweile müssen wir die Tierchen teilweise nicht einmal mehr sehen. Es reicht ein bestimmtes „Klack“ irgendwo im Raum und man weiß ziemlich genau: Da ist wieder einer.

Je nach Größe klingt das ein bisschen anders. Mal landet einer auf einer Lampe, mal an der Wand oder auf der Tapete. Irgendwann entwickelt man offenbar ein Gehör dafür.

Andere erkennen ihre Familienmitglieder am Schritt im Flur, wir inzwischen Heuschrecken am Einschlag.

Kann man auch nicht überall von sich behaupten. :mrgreen:

So langsam wird es eine Serie

Ganz neu ist das Thema hier schließlich nicht. Die Hüpfer ziehen sich inzwischen durch mehrere Beiträge und spätestens bei Flip und seiner Rückfahrkarte hätte ich eigentlich merken können, dass die Sache langsam System bekommt.

Die einen wollen nicht raus, andere tauchen am Auto auf und wieder andere kommen offenbar einfach vorbei, um zu prüfen, ob noch ein Zimmer frei ist.

Vielleicht hängt draußen irgendwo wirklich eine Bewertung:

„Etwas seltsamer Betreiber, aber man wird meistens wieder lebend vor die Tür gesetzt. Vier Sterne, einen ziehe ich wegen fehlendem Frühstück selbst ab.“

Was machen die eigentlich im Winter?

Mit dem Herbst dürfte hier langsam Ruhe einkehren. Die Fenster bleiben wieder öfter geschlossen und damit wird auch die Zahl der spontanen Besucher vermutlich deutlich sinken.

Bleibt nur die Frage, wo die Kollegen dann eigentlich sind. :shock:

Hüpfen die in den Süden?

Eher nicht, vermute ich wenigstens. ;-)

Wenn es sich bei unseren großen grünen Besuchern tatsächlich um das Grüne Heupferd handelt, läuft das Überwintern deutlich unspektakulärer. Die Eier werden im Boden abgelegt und bleiben dort ziemlich lange. Laut NABU meistens zwei Jahre, manchmal sogar bis zu fünf.

Die nächste Generation liegt also möglicherweise längst irgendwo im Garten und wartet auf ihren Einsatz.

Na großartig.

Dann kann ich das Hotel vermutlich doch ganzjährig geöffnet lassen.

 

 

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Heuschrecke mit Rückfahrkarte?

Flip wollte raus. Oder rein. Oder einfach nur diskutieren.Der Rückweg lag direkt auf meinem Arm

Es wird mal wieder tierisch!

Oder insektisch?

So genau weiß man das im Desasterkreis ja nie, weil hier scheinbar alles, was Beine, Flügel, Fühler oder ein fragwürdiges Verständnis von Hausrecht hat, irgendwann auftaucht.

Diesmal in der Küche und da saß er an der Wand.

Ein recht großer grüner Hüpfer. Grashüpfer? Heuschrecke? Heupferdchen? Nach dem Foto würde ich auf ein Grünes Heupferd tippen, aber ich bin eben kein Insektenkundler mit Klemmbrett, sondern nur der Mann, der plötzlich einen grünen Mitbewohner an der Küchenwand hat.

Der gute Kerl war zu Fuß auf dem Weg nach oben.

Nicht dramatisch, aber eben in diese Richtung, in der man irgendwann nicht mehr ohne Leiter, Verrenkung oder mittelgroße Diskussion drankommt. Also habe ich ihn vorsichtig von der Wand gepflückt, innerlich schon mal als Rettungsaktion verbucht und ihm schnell noch einen Namen gegeben: Flip!

Ja, natürlich wegen Biene Maja. Wer das noch kennt, darf sich jetzt kurz alt fühlen, muss aber nicht :mrgreen:

Der Plan war einfach

Ich wollte Flip durch das offene Küchenfenster in die Freiheit entlassen.

Klingt nach einem überschaubaren Vorgang, oder?

Mensch nimmt Heuschrecke.
Mensch hält Heuschrecke ans Fenster.
Heuschrecke erkennt Freiheit, Natur, Grünzeug und Horizont.
Heuschrecke verlässt das Gebäude.

So weit die Theorie,  aber Scheißdreck :shock:

Ich setze ihn raus, und wer hüpft auf meinen Arm und rennt wieder rein?

Flip.

Nicht irgendwie panisch. Nicht verwirrt. Eher zielstrebig. Als hätte er draußen kurz gesehen, dass Natur auch ohne Fliesen, Kaffeemaschine und trockene Wand funktioniert, und das Konzept spontan abgelehnt.

Also noch mal.

Ich setze ihn auf die andere Hand.

Gleiches Spiel, nur links.

 

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Es wird persönlich

Beim dritten Versuch hatte Flip offenbar endgültig die Schnauze voll. Er zeigte mir seine Sprungbeine in Aktion und krallte sich auf der Schulter der Gattin fest.

Das muss man erst mal machen. Man wird freundlich gerettet, bekommt ein offenes Fenster angeboten, hat alle Möglichkeiten der Welt und denkt sich: Nein, ich nehme jetzt die Frau des Hauses als Zwischenstation.

Also pflückte ich ihn dort wieder vorsichtig ab, altes Spiel, neue Runde!

Und zwar so stabil, dass ich sogar noch Zeit hatte, das Handy anzuwerfen und zumindest so gut mitzufilmen, wie es die Lage zuließ. Man muss ja Beweise sichern, sonst heißt es nachher wieder, ich würde übertreiben.

Als ob :roll:

Serientäter mit Fühlern

Ganz neu ist das Thema hier ja nicht.

Grashüpfer, Heuschrecken und sonstige Hüpfer haben im Desasterkreis offenbar längst eine eigene Nebenrolle. Da war schon der blinde Passagier auf dem Fahrrad, dann gab es die Idee vom Hotel für Grashüpfer, und selbst im November saß noch einer auf meinem Auto, als wäre der Kalender nur eine unverbindliche Empfehlung.

Vielleicht sind das gar keine Zufälle, vielleicht läuft da draußen längst eine geheime Hüpferliste.

„Bei dem kannst du landen. Der redet zwar dummes Zeug, aber setzt dich wieder raus.“

Das würde einiges erklären.

Aussperraktion mit Ansage

Am Ende hat dann ein etwas nachdrücklicherer Rausschmiss funktioniert.

Nicht grob, nicht wild, aber eben mit klarer Kante. Fenster, raus, Abstand, keine Diskussion, Fenster zu, Ende der Verhandlung.

Flip draußen – ich drinnen.

So war es ursprünglich auch gedacht.

Sollte er allerdings wiederkommen, bekommt er ein eigenes Schild am Briefkasten.

„Flip, 3 x klingeln“

Wundern würde es mich nicht mehr :mrgreen:

 

 

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