Fast die Hälfte gegen den Tankrabatt? Wirklich?
Seit dem 1. Oktober gibt es wieder einen Tankrabatt, drei Monate lang wird die Energiesteuer auf Benzin und Diesel gesenkt, einschließlich der darauf entfallenden Mehrwertsteuer sollen dadurch rund 17 Cent pro Liter beim Autofahrer ankommen.
Heute Morgen höre ich im Radio, dass laut aktuellem ARD-DeutschlandTrend allerdings nur knapp die Hälfte der Deutschen den Tankrabatt befürwortet. 47 Prozent halten ihn für richtig, 46 Prozent für falsch.
Moment mal, was bedeutet hier eigentlich „falsch“?
Eine Frage, zwei Antworten, mehrere Meinungen
Schaut man sich die Originalmeldung der ARD an, wurde 1.303 Wahlberechtigten die auf drei Monate begrenzte Senkung der Energiesteuer beschrieben und anschließend gefragt, ob sie diese Maßnahme für richtig oder falsch halten.
Das war es im Grunde schon.
Die Frage lässt dabei überhaupt keine Differenzierung zwischen zwei vollkommen unterschiedlichen Haltungen zu.
Ich halte eine Steuersenkung auf Kraftstoffe grundsätzlich für falsch.
Ich halte diese konkrete Maßnahme für unzureichend oder falsch ausgestaltet.
Beides landet bei „falsch“, obwohl zwischen diesen Antworten Welten liegen, denn wer beispielsweise eine dauerhafte oder deutlich höhere Entlastung möchte, muss diese drei Monate mit ihren 17 Cent noch lange nicht für eine gute Maßnahme halten.
Ich gehöre genau in diese zweite Gruppe. Ich will nicht KEINE Entlastung, ich will nicht mit einem befristeten Trostpflaster abgespeist werden, während das eigentliche Problem bestehen bleibt!
Interessant wird es nämlich, wenn man auch die zweite Frage derselben Umfrage betrachtet. Dort halten satte 74 Prozent die bisherigen Anstrengungen der Bundesregierung zur Senkung der Energiepreise für nicht weitgehend genug.
Natürlich beweist das nicht, dass sämtliche Kritiker des Tankrabatts mehr Entlastung wollen. Genau das müsste man eben gesondert fragen, statt zwei völlig unterschiedliche Ansichten in dasselbe Antwortkästchen zu stopfen.
Dass eine solche Unterscheidung unterbleibt, halte ich persönlich längst nicht mehr für ein Versehen, sondern für volle Absicht. Ob die Befragten eine Maßnahme grundsätzlich ablehnen oder deren Ausgestaltung kritisieren, erfährt man so jedenfalls nicht.
Dafür bekommt man eine wunderbar kurze Meldung, nach der nur knapp die Hälfte den Tankrabatt befürwortet. Die 74 Prozent stehen übrigens ebenfalls in der ursprünglichen ARD-Meldung, man muss sie nur mit berücksichtigen, wenn man sich ein vollständigeres Bild machen möchte.