Checke mit der KI, wer Du bist

Frühe Technikjahre und digitale SpurenWer lange online ist, legt Fährten

Ich habe ChatGPT mal den Auftrag gegeben, zu suchen, wo ich im weltweiten Netz auftauche, wer ich dort seit wann und warum bin.

Spannendes Ding :shock:

Natürlich war mir klar, dass man mich findet. Ich betreibe schließlich seit mehr als 25 Jahren eigene Webseiten, schreibe in Blogs, bin auf diversen Plattformen unterwegs und beruflich ebenfalls nicht gerade unsichtbar.

Trotzdem hatte ich eher mit dem üblichen Kram gerechnet. Der Desasterkreis, michael-floessel.de, ein paar soziale Netzwerke, berufliche Profile und natürlich die Impressen. Die müssen nun einmal sein, auch wenn man digitalen Schnüfflern damit schon einen Teil der Arbeit abnimmt.

Die KI kam allerdings nicht mit ein paar Links zurück, sie legte mir beinahe einen Lebenslauf mit Quellenangaben auf den Tisch.

Online seit 1999

Los ging das Ganze bereits 1999 mit pc-tech-tips.de.

Nach einem Providerwechsel gingen die Inhalte später in michael-floessel.de auf. Dass ich mir das nicht gerade passend zurechterinnere, steht sogar seit 2019 in meinem eigenen Beitrag „Sicher, unsicher, HTTP, HTTPS, altes, neues“. (Ja, ich weiß, auf der Seite ist im Moment tote Hose, aber ich komme einfach nicht dazu, mal wieder in die Elektronikkiste zu greifen … :roll: )

Dort hatte ich selbst geschrieben, dass ich um 1999 mit meiner Webseite begonnen habe und Inhalte über Providerwechsel, andere Domains und verschiedene Systeme hinweg immer wieder mitgenommen wurden.

Ein Newsgroup-Beitrag aus dem Jahr 2003 verweist sogar bereits auf einen alten pc-tech-tips-Inhalt unter michael-floessel.de.

Das Netz hat die Verbindung also ebenfalls nicht ganz vergessen.

Eine der ältesten noch direkt auffindbaren Fährten stammt vom 20. Oktober 2001 aus einer alten Newsgroup.

Es ging um die Internetverbindungsfreigabe bei T-DSL. Schon die Begriffe klingen heute ein wenig so, als hätte man beim Einwählen noch Kohlen in den Rechner schaufeln müssen.

Unter dem Beitrag standen mein Name und gleich vier Domains:

pc-tech-tips.de, dayofmen.de, computer-basis.de und wollideen.de.

Eine Webseite allein war mir offensichtlich schon damals zu übersichtlich ;-)

Später kamen weitere Beiträge zu Autos, Linux, WLAN, Netzwerken, Computern und Technik hinzu. Selbst meine WLAN-Probleme aus dem Jahr 2003 liegen noch griffbereit im Archiv.

Dazu tauchten Projekte wie antischulgewalt.de auf, alte Signaturen blieben erhalten und längst verschwundene Seiten wurden in Foren, Verzeichnissen oder anderen Beiträgen verlinkt.

Jeder dieser Treffer ist erst einmal nur ein Stück aus seiner Zeit.

Ein alter Forenbeitrag, eine frühere Domain, ein Foto, ein Presseartikel oder irgendein technisches Problem, über das ich vor Jahren geschrieben habe.

Nichts davon ist geheim, schließlich habe ich es selbst veröffentlicht. Jeder, der an dieser Stelle reflexartig „Datenschutz!“ schreit, sollte erst einmal in sich gehen und sich fragen, WAS da eigentlich geschützt werden muss, wenn man freiwillig öffentlichen Austausch betreibt ;-)

Interessant wird es, wenn man die einzelnen Marker nebeneinanderlegt. Dann entsteht aus vielen kleinen Fundstücken ein erstaunlich vollständiges Bild davon, womit ich mich beschäftigt habe, wo ich unterwegs war und wie sich die Dinge über die Jahre entwickelt haben.

Nicht wegen irgendeiner finsteren Datensammelei, sondern schlicht deshalb, weil ich den größten Teil davon selbst ins Netz gestellt habe.

Aufräumen gilt im Internet nur bedingt

Aus pc-tech-tips.de und den anderen damaligen Seiten entwickelte sich mit der Zeit michael-floessel.de.

Dort sammelt sich inzwischen mehr als ein Vierteljahrhundert Technik, Elektronik, Computer, Modellbau, Reparaturen und sonstiger Kram, der irgendwann auf meinem Schreibtisch oder der Werkbank gelandet ist.

Besonders passend ist ein Beitrag über digitale Reputation aus dem Januar 2013.

Schon damals hatte ich nachgesehen, was über mich auffindbar ist, und festgestellt, dass das Internet Archive mehrere Versionen meiner früheren Seiten gespeichert hatte.

Ich habe die Anleitung für diese Ausgrabung also vor Jahren selbst veröffentlicht.

Dass später einmal eine KI den Spaten in die Hand nimmt, stand dort allerdings noch nicht :mrgreen:

Gelöscht bedeutet im Netz ohnehin oft nur, dass etwas nicht mehr an der ursprünglichen Stelle liegt. Alte Inhalte verschwinden aus der ersten Reihe, bleiben aber gerne irgendwo im Hintergrund sitzen und warten darauf, dass jemand mit genügend Geduld darüber stolpert.

Modellbahn zwischen Oberhausen und OdenwaldAuch Arbeit hinterlässt ihre Marker

Ab 2008 kamen die beruflichen Einträge dazu.

Zuerst durch meine Zeit bei der Miniaturwelt Oberhausen, später durch die Modellbahnwelt Odenwald. Im Jahr 2013 zog die große Ruhrgebietsanlage nach Fürth und wir als Familie praktisch gleich mit.

Dass sich dort etwas anbahnte, hatte ich schon im Februar 2013 auf michael-floessel.de unter „Modellbahnwelt Odenwald“ erwähnt.

Von 2013 bis 2018 gehörten Technik, Elektronik, Wartung, Entwicklung, Ausstellungsbetrieb und Teamleitung zu meinem Arbeitsalltag.

So etwas bleibt natürlich ebenfalls nicht nur im Arbeitsvertrag stehen. Es entstehen Fotos, Videos, Artikel und Erwähnungen, die anschließend ihre eigenen Wege gehen.

Ein frei erreichbarer Beitrag über die Ausstellung bezeichnet mich zum Beispiel als Cheftechniker Michael Flössel.

Die englische Version macht daraus gleich den „head technician“.

Das klingt natürlich mächtig wichtig, ändert aber nichts daran, dass ein defektes Bauteil auch mit internationaler Berufsbezeichnung einfach nur kaputt ist.

Radio, Fernsehen und plötzlich IMDb

Die Modellbahnwelt tauchte nicht nur in regionalen Berichten auf.

Der Deutschlandfunk berichtete über das Miniatur-Revier im Odenwald, wobei dort Sandra unseren Umzug aus dem Ruhrgebiet gleich mit für die Nachwelt festhielt.

Der SWR drehte die Folge „Eisenbahn-Romantik: Tief im Odenwald“, in der mehrere Mitglieder unserer Familie und weitere Mitarbeiter zu sehen waren.

Damit nicht genug, daraus entstand sogar ein IMDb-Eintrag unter meinem Namen.

Eine Schauspielkarriere hatte ich nun wirklich nie geplant. Ich stand vor einer Modelleisenbahn und erzählte etwas über Technik.

Für IMDb hat es gereicht, für Hollywood bisher nicht :mrgreen:

Neue Richtung, neue Spuren

Nach meinem Ausstieg aus dem Modellbaubereich im Jahr 2018 folgten berufliche Neuorientierung und von 2021 bis 2023 die Umschulung zum Kaufmann im E-Commerce in Heidelberg.

Natürlich ist auch dieser Abschnitt längst im Netz gelandet. Im Desasterkreis stehen unter anderem mein Abschied von Heidelberg und der Start in den nächsten beruflichen Abschnitt.

Seit dem 2. Oktober 2023 arbeite ich bei RESIS-TEC, der 1. war schließlich ein Sonntag ;-) , als Social Media Content Creator.

Dort treffen sich heute Elektronik, Technik, Text, Foto, Video, Blog, Marketing und Social Media. Also vieles von dem, was vorher schon einzeln irgendwo herumlag, nur inzwischen beruflich passend zusammengesetzt.

Dabei entstehen selbstverständlich neue Veröffentlichungen. Bilder, Beiträge, Videos und Artikel lösen sich nach Feierabend schließlich nicht in Luft auf, Social Media schon gar nicht.

Der Desasterkreis hilft kräftig mit

Seit Ende 2019 gibt es zusätzlich diesen Blog.

Der Desasterkreis ist ebenfalls eine Art privates Archiv mit Merkerfunktion, wobei man „privat“ nicht zu wörtlich nehmen sollte, wenn man den Inhalt öffentlich ins Netz stellt.

Hier landen Alltag, Erinnerungen, Beobachtungen, Fotos, Ärger, Musik, Autos, Technik, Kaffee, Plüschtiere und alles, was mir sonst noch vor die Füße oder durch den Kopf läuft.

Wer lange genug mitliest, erfährt zwangsläufig einiges über mich. Nicht alles, aber vermutlich genug, um meinen Kaffee richtig anzurühren, passende Musik aufzulegen und zu wissen, bei welchem Verhalten im Straßenverkehr man mich besser nicht anspricht.

Dazu kommen LinkedIn, XING, Facebook, Instagram, Threads, TikTok, X, Bluesky, YouTube und Pinterest. Wahrscheinlich existieren noch ein paar ältere Ecken, an die ich mich selbst erst erinnern würde, wenn dort plötzlich eine Meldung über ein 19 Jahre altes Passwort auftaucht.

Aus vielen Markern wird eine Chronik

Genau das ist der eigentliche Punkt: Wer lange viel online macht, hinterlässt Fährten.

Hier ein Kommentar, dort ein Foto, dazu eine frühere Domain, ein Pressebericht, ein Blogbeitrag, ein Profil oder irgendeine technische Frage aus einer Zeit, in der WLAN noch ein Abenteuer und DSL eine Sensation war.

Für sich betrachtet ist das jeweils nur ein kleiner Ausschnitt aus einem bestimmten Moment.

Legt man mehr als 25 Jahre davon nebeneinander, entsteht daraus eine erstaunlich brauchbare Übersicht darüber, wo man war, was man gemacht hat und womit man sich beschäftigt.

Ziemlich vollständig und für mich im Nachhinein auch ein Stück belegte Geschichte.

Den größten Teil davon habe ich schließlich selbst veröffentlicht, ein Impressum muss ohnehin vorhanden sein. Erstaunlich ist nur, welche Menge sich mit den Jahren ansammelt und wie wenig das Internet tatsächlich vergisst.

Ich habe ChatGPT gefragt, wo ich wer seit wann und warum bin.

Die KI hat die verstreuten Fundstücke eingesammelt und mir meine eigene Geschichte sortiert zurückgegeben.

Der Desasterkreis ist ohnehin mein öffentliches Privatarchiv, also packe ich das natürlich ebenfalls hier hinein.

Warum?

Dann müssen sich digitale Stalker nicht mehr ganz so viel Mühe geben :mrgreen:

 

 

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