Aller guten Dinge sind drei?
Es gibt sicherlich Dinge, die muss man haben.
Dann gibt es welche, die will man haben.
Tja, und dann gibt es noch die Dinge, die soll man offenbar nicht haben.
Sagen wir es etwas freundlicher: Die sollen im ersten und zweiten Anlauf aus irgendwelchen Gründen noch nicht sein.
Bei mir fällt so ein kleines Fluggerät mit Kamera gerade ziemlich genau in diese Kategorie.
Zur Situation
Wir hatten im Büro vor ein paar Wochen einen Kollegen mit neuer Drohne. Ihr kennt das vielleicht. Irgendwo rauscht es plötzlich, alles muss gucken, jeder so „Boah, geil“, und nun ja, es dreht sich, es leuchtet, es ist fernsteuerbar.
Ich bin bei sowas natürlich sofort geflasht ![]()
Nicht, weil ich jetzt unbedingt die Nachbarschaft aus der Luft vermessen will. Mir reicht schon der normale Alltag, da muss ich nicht noch mit Propellern für Gesprächsstoff sorgen. Es ist eher dieser kleine Technik-Reflex. Da bewegt sich was, man kann es steuern, es hat eine Kamera, also meldet sich im Kopf direkt diese eine Stimme :„Will ich auch.“
Vernünftig ist das nicht zwingend, aber Vernunft ist bei kleinen technischen Spielereien ja ohnehin eher so eine beratende Stimme aus dem Nebenraum.
Der erste Kandidat
Ich überlegte also laut, ob ich mir beim freundlichen Chinesen nicht auch mal so ein Ding zum Herumspielen bestellen sollte. Kein Profiteil, keine fliegende Filmproduktion, nichts, womit man sich plötzlich wichtig fühlen muss. Einfach eine kleine Drohne für Garten, Spieltrieb und vielleicht mal ein paar Bilder aus einer Perspektive, die man sonst nur hat, wenn man irgendwo auf einer Leiter steht und hofft, dass keiner zuguckt.
Ein Arbeitskollege meinte daraufhin, er hätte noch eine übrig und könne sie mir geben. Da fragt man nicht lange, ob man das wirklich braucht. Man nimmt erst mal und lässt die Vernunft später ein Protokoll schreiben.
Dann lag das Teil allerdings eine ganze Weile herum. Nicht, weil mich das Thema nicht mehr interessiert hätte, sondern weil zwischen „müsste ich mal testen“ und „ich teste das jetzt wirklich“ manchmal ein erstaunlich tiefer Graben liegt.
Jetzt, Gartenzeit, dachte ich mir: Versuch mal.
Also Akku, App, Verbindung, Gefummel, nochmal Verbindung, wieder Gefummel. Das kleine Technik-Ballett eben…
Finale
Die Kamera ging – die Motoren blieben stumm ![]()
Bei einer Drohne ist das ungefähr so hilfreich wie ein Auto mit funktionierendem Radio, aber ohne Räder. Man sieht etwas, man bekommt sogar ein Bild, nur der eigentliche Sinn des Gerätes ist irgendwie, na, weg.
Vielleicht Akku, vielleicht Steuerung, vielleicht auch einfach eine Macke. Jedenfalls war klar: Das Ding will nicht fliegen.
Der zweite Versuch
Jetzt hätte man die Sache abhaken können. War ja noch kein eigenes Geld drin, kein großer Verlust, Leben geht weiter, der Garten bleibt auch ohne Luftaufnahme der Garten.
So funktioniert mein Kopf aber leider nicht immer, ich war angefixt!
Also zurück zu Plan A, den freundlichen Chinesen glücklich gemacht, eigenes Gerät bestellt, etwas besser als der erste Versuch, aber definitiv noch in der Klasse „zum Herumspielen geeignet“. Keine Drohne, bei der ein Kameramann nervös wird. Eher so ein kleines Teil, bei dem man hofft, dass es nach dem Start nicht direkt Richtung Hecke auswandert.
Das Paket kam, wurde ausgepackt, geladen und eingerichtet. Nach ein bisschen Hin und Her passierte tatsächlich das, was bei einer Drohne passieren soll.
Sie flog!
Motoren liefen, Propeller drehten, das Ding hob ab. Für einen kurzen Moment stand ich da und dachte, dass die Sache jetzt vielleicht doch ganz sauber läuft.
Mutig gedacht, weil: Nix Kamera!, natürlich nicht, warum sollte auch? Vorhanden, schwenkend, vielleicht auf „sehend“, nur eben nicht sendend.
Fliegen oder filmen
Damit hatten wir dann die schöne Bilanz, die man sich auch nicht ausdenken muss.
Drohne Nummer eins macht ein Bild, fliegt aber nicht. Drohne Nummer zwei fliegt, macht dafür aber kein Bild.
Ich darf bei diesen Dingern scheinbar entweder gucken oder steuern. Beides zusammen ist für mich wohl noch nicht freigeschaltet.
Vielleicht läuft das nach Stufenmodell. Erst Kamera ohne Flug, dann Flug ohne Kamera, irgendwann nach bestandener Geduldsprüfung vielleicht die große Premiumfunktion: fliegende Kamera.
Hersteller kontaktiert, Fehler beschrieben, Garantiefall losgetreten.
Das neue Gerät kommt. Das alte darf ich behalten, zum Üben reicht es allemal. Es fliegt ja, nur eben blind. Im Grunde ist das gar nicht so schlecht, wenn man erst mal lernen will, wie so ein Teil reagiert, ohne gleichzeitig auf ein Kamerabild zu starren und aus Versehen die Hecke als Landebahn zu interpretieren.
Man lernt ja was
Natürlich ist das wieder typisch.
Andere kaufen so ein Gerät, packen es aus, starten nach zehn Minuten und basteln abends ein kleines Video mit Musik darunter. Ich lerne zuerst, welche App wann zickt, welcher Akku mehr verspricht als er hält, welche Verbindung nur so tut, als wäre sie stabil, und warum ein technisches Spielzeug manchmal nicht weniger Laune hat als ein alter Drucker kurz vor Feierabend.
Auf der anderen Seite hat so ein Einstieg auch sein Gutes. Man lernt mehr über Technik, Macken und Fehlerbilder, als es der normale Benutzer jemals freiwillig wissen wollte.
Der normale Benutzer will fliegen, filmen und fertig.
Ich bekomme direkt „Drohnenmacken für Fortgeschrittene“, inklusive Praxisanteil und innerem Kopfschütteln.
Jetzt warte ich also auf Nummer drei.
Aller guten Dinge sind drei?
Wir werden sehen.
Falls die neue Drohne fliegt und die Kamera funktioniert, werde ich vermutlich trotzdem erst mal misstrauisch. Irgendwas ist ja immer. Vielleicht verbindet sie sich nur bei Seitenwind, vielleicht startet sie nur nach gutem Zureden, oder sie erkennt mich direkt als Risiko und verweigert aus Selbstschutz den Dienst.
Bei meinem Glück macht sie am Ende einfach alles richtig.
Das wäre dann wirklich verdächtig ![]()
Übersicht im Blog verloren? Hier bist Du!
Bisschen Desasterkreis & Social Media?