In der Ambulanz – der (fast) zweite Kontakt!

In der Ambulanz!Es hätte alles so einfach sein können…

Der erste Schreck ist überwunden, Tochter B. hat inzwischen Zuhause das Essen improvisiert, mit dem Einkaufen wurde es ja nun nichts und mit dem Kochen an sich, wird es bei meiner Frau wohl auch noch eine Zeit lang auch nichts. Mindestens sechs Wochen kann sie wohl einrechnen, bis ernstzunehmende und eigenständige Ausflüge zu Fuß möglich sind. Immerhin sind die Schmerzen dank des Vakuumschuhs und Ibuprofen erträglich. Ibus als 400er, die haben wir noch eben selber geholt, aus dem Krankenhaus gab es zum Thema Schmerzen nicht eine Silbe. Trotz Nachfrage nicht, wie eigentlich bei allen Fragen.

Der Anruf

So ziemlich genau beim Abräumen des Geschirrs klingelt das Telefon. Ich schaue aufs Display und ahne bei der angezeigten Vorwahl schon nichts Gutes. Ich hebe ab. Wieder liege ich richtig, vom anderen Ende der Leitung her, erklingen Worte wie: „Hallo, hier Krankenhaus XXX, Sie waren ja heute bla bla Oberarzt, CT, Operation, Radiologie, Termin, wieder, Ambulanz, waren weg und haben nicht mitgenommen!„, mehr kann ich so auf einen Schlag nicht zuordnen. Immerhin war ja meine Frau bei diesem Herrn in Behandlung und nicht ich. Die ganze Szene ist doch für diejenigen, die nicht mit rein durften nur eine medizinische Blackbox.

Darüber hinaus kann ich den Doktor auch nur sehr schlecht verstehen, ihm zuzuhören ist wirklich anstrengend. In der Regel gehöre ich nicht zu den Menschen, die damit ein Problem haben, aber bei medizinischen Erklärungen muss ich doch zumindest verstehen können, was wichtig für mich ist. Vielleicht ist noch wichtiger, dass MEINE Fragen und Aussagen sicher verstanden werden. Überhaupt könnte hier auf meiner Seite auch der Paketbote zuhören, so viel zum heiß geliebten Datenschutz. Ist mir eigentlich reichlich egal, ich muss nur gerade an das entsprechende Geschiss vor den Theken der Ärzte denken. Ich mein, dass ich NICHT die Frau F. bin, sollte schon der Klang der Stimme rüberbringen. Allerdings keimt in mir auch die Frage auf, ob ich nicht hätte nach dem Oberarzt fragen sollen. Vielleicht steckt der arme Mann ja immer noch im OP? Was, wenn der da gegen seinen Willen festgehalten wird?

Wie auch immer, ich stoppe die Sache und reiche meiner Frau den Hörer. Kennt Ihr das, wenn man bei einem Telefonat nur die anwesende Stimme hört, dem Gesprächsverlauf folgend aber ziemlich sicher weiß, was da Sache ist? Wenn einem so langsam der Kamm anschwillt? Besonders hellhörig werde ich, als meine Frau entgegnet, dass der Pfleger sie mit den Worten: „Gute Genesung, alles Weitere befindet sich auch in dem Karton zum Schuh!“, durch den Ausgang Richtung Parkplatz begleitet hat. Ich ahne, dass man unterschwellig rüberbringen möchte, dass wir ja plötzlich verschwunden wären. Ich mein, wenn man, nach der Frage des Pflegers, wie der Heimweg organisiert ist, mit Krücken und Entlastungsschuh samt Karton von Krankenhausangestellten mit den Worten „Gute Genesung“ durch den Ausgang in Richtung Parkplatz begleitet wird, wartet man dann auf weitere Untersuchungen? Die ja eh nicht erfolgen, weil der Oberarzt im OP steckt? Nein? Ich auch nicht!

Am Ende des Gesprächs sehe ich meine Frau irgendwo zwischen Unsicherheit und Kopfschütteln. Das Fazit des Gesprächs: Es fehlt noch ein CT, wir haben den Arztbrief nicht mitgenommen und der Oberarzt ist sich nicht sicher, so ohne CT, ob da nicht doch was operativ gerichtet werden muss. Nach dem CT, soll sie dann erneut in der Ambulanz vorstellig werden.

Ne, so einfach akzeptieren wir das nicht, erst sehen, was unsere Hausärztin sagt, die hat immerhin schon mehrfach bewiesen, dass sie was drauf hat.

Bei der Ärztin des Vertrauens

Unsere Dokteuse staunt nicht schlecht, was da abgelaufen ist. Sie macht da keine langen Geschichten, ruft im Krankenhaus an und lässt sich den ominösen Arztbrief einfach per Fax schicken. Das geht in Minuten, Ruck-Zuck! Erstaunlich! Nun, vielleicht ist ja gerade niemand im OP, also kein Oberarzt. Unsere Ärztin liest, runzelt die Stirn, liest weiter und kommt zu dem Schluss, dass nach dem Befund die Fußknochen des linken Fußes wohl im rechten Bein stecken müssen. Also dem Text nach, irgendwie sowas. Sie schnappt sich das Telefon und ruft, im Beisein meiner Frau, diesen Assistenzarzt an. Frage-Antwort hier, Schulterzucken dort – sie empfiehlt uns, doch dieses CT machen zu lassen, auch wenn sie eher nicht davon ausgeht, dass akut weitere Gefahr besteht. Immerhin ist Sandra, so heißt übrigens meine Frau, mittlerweile so gut wie schmerzfrei. Der Plan: Das CT dort im Krankenhaus machen lassen. Irgendwie wird das angeraten, ebenso wieder in der Ambulanz vorstellig zu werden und dann sehen wir weiter.

Es ist Freitag, wir schreiben den 10. Juli 2020, der Treppensturz war am 9. Juli.

Wieder daheim, ist es nach einer reichlichen Anzahl von Minuten in der Warteschlange möglich, einen CT-Termin zu bekommen. Wann? Am 17. Juli, um 10 Uhr. Wow, das ist ja fast sofort. Es interessiert keine Sau, dass wir ja bitte zeitnah und genau in diesem Hospital dieses CT machen lassen sollen, veranlasst durch eben dieses Krankenhaus. Was ist auch schon eine Woche warten und bangen? Nebenbei stecken wir auch schon in einem zeittechnisch fortgeschrittenen Freitag, viele Mitarbeiter sind bereits auf dem Heimweg. Vielleicht verweilen die zuständigen Oberärzte auch immer noch im OP, ich weiß es nicht.

Für heute geben wir auf!

Beim Schreiben dieser Zeilen hier, ist der erwähnte CT-Termin übrigens auch schon gelaufen, ich schaffe es gerade nur nicht, das alles auszuschreiben. Hier geht es weiter!

 

 

3 Gedanken zu „In der Ambulanz – der (fast) zweite Kontakt!

  1. Pingback: In der Ambulanz – der erste Kontakt! | Der Desasterkreis

  2. Pingback: In der Ambulanz – der dritte Kontakt! | Der Desasterkreis

  3. Pingback: In der Ambulanz – der beinahe vierte Kontakt! | Der Desasterkreis

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.