Eine Reha – Teil 3: Wer und wo sind denn Sie?

Meine EntchenLasset die Spiele beginnen

Tja, wie geht es nun weiter?„, lautet die Frage.

Ich sitze hier, der Rücken beruhigt sich langsam und ich bekomme den Eindruck, dass es jetzt losgehen sollte. Wie deutet man, „Wir werden auf Sie zukommen…?“ Ist das vielleicht schon eine Art Geduldstest, ein Check, ob ich die Arschlochpatient-Plakette erhalte oder doch eher auf eine Liste der Erträglichen komme? Vielleicht bin ich auch schlicht vergessen worden? Gibt es hier so etwas wie ein Stationszimmer oder überhaupt lebende Menschen? Bin ich vielleicht noch Zuhause und das ist alles nur ein Traum?

Was solls, ich habe ein Zimmer und einen Schlüssel, die Papiere sind übergeben, sollen sie mich doch suchen, wenn sie mich brauchen. Ein Blick in die Runde zeigt, ich muss einiges auspacken. Was zuerst?

Die Entchen!

Oh, Ihr kennt meine Entchen nicht? Das sind die beiden auf dem Foto, die mich seit 18 Jahren als Maskottchen begleiten. Ursprünglich als kleiner Trost nach einer recht üblen Operation 2002 von meinen Kindern ins Krankenhaus mitgebracht, sind sie heute festes Inventar in meinem Gepäck, wenn ich mehrere Tage nicht Zuhause schlafen kann. Ein festes Prozedere, geht gar nicht anders. Als letztes ein- und als erstes ausgepackt, so gehört sich das ;-) Schnell noch ein Foto an die Familie gesendet, dass es den beiden gut geht, so ein Transport im Gepäck ist schließlich kein Zuckerschlecken, nicht? Ansonsten beschränke ich mich fürs Erste auf das strategische Verteilen der Koffer, um bei Bedarf schnell an den Inhalt zu kommen.

Mittlerweile ist fast eine Stunde vergangen, ich will wissen, was nun folgt, etwas essen und überhaupt mal zur Kenntnis genommen werden. Vor der Zimmertür sind Geräusche zu hören, jetzt oder nie.

Traue Dich vor die Tür!

Auf dem Gang wetzt eine Dame mit Kittel hin und her. Ich beschließe sie zu fragen, wo ich mich bemerkbar machen kann. Sie zuckt mit einem wirklich netten Lächeln die Schulter, mehr als, „Sorry, kein Deutsch, nur sauber machen„, kann ich ihr aber leider nicht abringen. Allerdings ist sie wirklich hilfsbereit und zieht mich am Ärmel durch den Flur, bis zur medizinischen Zentrale der Etage. Was soll ich sagen, das ist mehr, als ich zu hoffen gewagt habe! Ich bedanke mich brav und notiere mir innerlich einen Pluspunkt für die Reinigungskraft. Immerhin ist sie die Erste, die wirklich einen Weg für mich auf sich genommen hat.

Ich schaue durch die offene Tür der Zentrale und klopfe dezent an den Türramhen. Ein weiblicher Kopf taucht hinter einem Tresen auf und spricht: „Hallo. Sie kenne ich aber nicht?!“ „Ne, ich Sie auch nicht…„, ist zwar das Blödeste, was ich nun erwidern kann, aber nun ist es mir schon rausgerutscht. Wenn die Dame da also nun den gleichen Humor wie die Frau A. vom Empfang hat, brauche ich wohl gar nicht erst auspacken.

Stattdessen bekomme ich aber ein recht nettes „Neu angekommen?„, als Erwiderung, die Situation könnte also durchaus noch zu retten sein. „Ja, noch völlig unrehabilitiert!„, antworte ich. „Sie sind sehr früh. Kriegen wir aber hin, geben Sie mir mal Ihre Zimmernummer, wir rufen Sie auf dem Zimmertelefon an oder unsere Kollegin, macht auf Ihrem Zimmer mit Ihnen das Einweisungsgespräch. Kommt ganz drauf an, wer zuerst Zeit hat„. Ok ich nenne also brav wieder meinen Namen und meine Zimmernummer und begebe mich zurück in mein Zimmer.

Da jetzt hier an den Schlüsselpositionen bekannt ist, dass ich da und wo ich bin, müssen nun all die Dinge aus den Taschen und Koffern, die ich wahrscheinlich zeitnah brauche. Der Packen Shirts hier hin, dort das Hygienezeugs und die Technik auf den Schreibtisch.

Zum Gespräch bitte!

Mitten in der schönsten Auspackinventur klopft es an der Tür. Ich rufe nur „Ist offen!„, ein „Ich komme jetzt rein!„, erklingt als Antwort. Eigentlich würde ich die Dame gerne mit Handschlag begrüßen. Leider geht das aber nicht, ich komme nicht durch. Alles voll Gepäck. Sie sieht mich an, grinst und sagt: „Eigentlich machen wir das Info-Gespräch immer am Tisch…“, „Geht nicht“, sage ich, „Kein Platz!

Ganz trocken sieht sie durch die Toilettentür und meint nur: „Der WC-Sitz ist noch frei…„, aber so krass, soll es ja nun auch nicht werden. Ich schiebe alles irgendwie schnell zusammen und hintenrüber und nach links und rechts, bis wir ein wenig Raum für Ihr DIN-A4-Klemmbrett und eine Ecke zum Sitzen frei haben.

Wir können loslegen. Neben Verhaltensmaßnahmen bei Stürzen über eine Kühlmöglichkeit für mein Insulin bis hin zur Verfügbarkeit der Kaffeeautomaten – hier und jetzt wird alles geklärt! Ich unterschreibe hier, nicke dort und durchlebe 20 furztrockene Informationsminuten, denen ich nach spätestens 10 Minuten eigentlich schon gar nicht mehr folgen konnte. Zum Schluss fällt dann allerdings der wichtigste Satz: „Zur Eingangsuntersuchung werden wir sie gleich telefonisch bitten, danach gibt es für Sie noch ein Mittagessen.

Tschüss, kicher und Winkewinke, der Part ist nun auch erledigt, irgendwann wird wohl das Telefon klingeln. Am Besten nicht in den nächsten zwei Tagen, so lange werde ich nämlich mindestens brauchen, das Chaos im Raum zu beseitigen.

Es kommt, wie es kommen muss, ich stehe gerade im Bad, habe nasse Finger vom einräumen und säubern der Badartikel, da klingelt das blöde Telefon.

Kommen Sie bitte in Zimmer XYZ, wir beginnen dann mit der Untersuchung!„, heißt es.

OK, jetzt geht es endgültig los…

 

 

 

 

 

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